Blitzschutz für Antenne und PV – Systeme vergleichen: Sicherheit, Kompatibilität und Ausfallverhalten

Eine Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen. Im Mittelpunkt: Systemvarianten, Schutzwirkung, Schnittstellen, Datenschutz.

03Sicherheit

Das Wichtigste in Kürze

  • Systemvarianten, Schutzwirkung, Schnittstellen.
  • Der Beitrag liefert eine Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen.
  • Die Seite trennt alternative Systeme nach einheitlichen Sicherheitskriterien.

Vier Systemwege, zwischen denen tatsächlich entschieden wird

Wer Angebote für Dach und Antenne nebeneinanderlegt, findet selten dieselbe Lösung zweimal. Die Unterschiede lassen sich auf vier Systemwege zurückführen, die sich in Schutzwirkung, Eingriff in die Bausubstanz und Folgeaufwand deutlich unterscheiden.

Weg eins verzichtet auf einen äußeren Blitzschutz und beschränkt sich auf inneren Schutz: Potentialausgleich aller eintretenden Systeme und Überspannungs-Schutzeinrichtungen auf der Wechselstromseite, auf der Gleichstromseite und in der Antennenleitung. Das ist für viele Bestandsgebäude ohne baurechtliche Blitzschutzpflicht der Regelfall. Er schützt Geräte, nicht das Bauwerk.

Weg zwei errichtet einen äußeren Blitzschutz und hält die Aufbauten im Schutzbereich der Fangeinrichtung, wobei der berechnete Trennungsabstand eingehalten wird. Die Anlage auf dem Dach bleibt dann elektrisch getrennt und führt keine Blitzteilströme. Das ist der sauberste, aber auch platzintensivste Weg, weil Fangstangen den Modulen keinen Schatten werfen dürfen und der Abstand am First am größten wird.

Weg drei errichtet einen äußeren Blitzschutz und bindet die Aufbauten bewusst ein, weil der Trennungsabstand auf dem belegten Dach nicht darstellbar ist. Dann fließen Blitzteilströme über Unterkonstruktion und Leitungen in die Installation, und Blitzstromableiter vom Typ 1 werden auf der Wechselstromseite zwingend, ergänzt um geeignete Ableiter im Gleichstromkreis. Der Weg ist normativ zulässig und in dicht belegten Dächern häufig der einzige praktikable.

Weg vier setzt isolierte Ableitungen mit hochspannungsfester Isolierung ein. Sie erlauben eine deutlich geringere räumliche Trennung zu leitfähigen Bauteilen, weil ein Teil des erforderlichen Abstands durch die Isolierung ersetzt wird. Der Weg ist material- und montageaufwendiger und verlangt eine sorgfältige Ausführung an den Anschlusspunkten, weil dort die Isolierstrecke endet.

Die Antennenanlage folgt eigenen Regeln

Bei Antennen wird häufig übersehen, dass für sie ein eigenes Regelwerk gilt. DIN EN 60728-11 verlangt für Antennenanlagen auf Gebäuden eine Erdung des Antennenträgers und die Einbeziehung der Anlage in den Potentialausgleich, unabhängig davon, ob ein äußerer Blitzschutz vorhanden ist. Für die direkte Erdung sind Mindestquerschnitte vorgegeben, in Kupfer 16 Quadratmillimeter.

Existiert eine Blitzschutzanlage, ändert sich die Aufgabenstellung: Der Antennenträger muss dann entweder im Schutzbereich einer Fangeinrichtung stehen und den Trennungsabstand einhalten oder direkt an die Fangeinrichtung angeschlossen werden. Ein frei auf dem First montierter Mast, der weder das eine noch das andere erfüllt, ist die klassische Schwachstelle: Er ragt als höchster Punkt über das Dach und ist gleichzeitig über das Koaxialkabel direkt mit der Elektronik im Wohnraum verbunden.

Der koaxiale Ableiter am Gebäudeeintritt ist deshalb keine Zusatzoption, sondern die Ergänzung, die den Weg über die Signalseite schließt. Ohne ihn bleibt die Spannungsdifferenz zwischen Netz- und Antennenseite bestehen, und genau dazwischen sitzt der Tuner.

Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen

Kriterium Nur innerer Schutz Äußerer Schutz, Anlage getrennt Äußerer Schutz, Anlage eingebunden Isolierte Ableitung
Schutz des Bauwerks vor direktem Einschlag nicht gegeben gegeben gegeben gegeben
Blitzteilstrom in der Hausinstallation nur über zuführende Leitungen konstruktiv vermieden planmäßig vorhanden konstruktiv reduziert
Erforderlicher Ableitertyp am Anlageneintritt Typ 2 ausreichend, wenn keine Freileitung Typ 2 Typ 1 zwingend Typ 1 nach Ausführungsnachweis
Platzbedarf auf der Dachfläche keiner hoch, Trennungsabstand am First maßgebend gering mittel
Verschattungsrisiko für Module keines vorhanden, Fangstangenstellung entscheidend gering gering bis mittel
Aufwand bei späterer Dachänderung gering Neuberechnung des Abstands nötig Anbindung nachführen Isolierstrecke neu bewerten
Prüfaufwand über die Nutzungsdauer Sichtkontrolle der Ableiter volle Prüfzyklen nach Schutzklasse volle Prüfzyklen nach Schutzklasse volle Prüfzyklen, zusätzlich Zustand der Isolierung
Verhalten bei Bauteilausfall Ableiter trennt sich ab, Anlage läuft ungeschützt weiter Ableiter trennt sich ab, äußerer Schutz bleibt wirksam Ausfall des Typ-1-Ableiters ist sicherheitsrelevant wie eingebunden, zusätzlich Isolierung sichtprüfen
Mindestanforderung Potentialausgleich Haupterdungsschiene mit allen eintretenden Systemen zusätzlich Blitzschutz-Potentialausgleich zusätzlich Blitzschutz-Potentialausgleich zusätzlich Blitzschutz-Potentialausgleich
Mindestanforderung Antenne Erdung und koaxialer Ableiter Schutzbereich oder Anbindung, plus Ableiter Anbindung, plus Ableiter Schutzbereich, plus Ableiter
Mindestanforderung Gleichstromseite Ableiter am Wechselrichter Ableiter am Wechselrichter Ableiter am Wechselrichter und am Generator prüfen wie eingebunden

Bauarten der Ableiter und ihr Verhalten im Fehlerfall

Auf Bauteilebene stehen sich zwei Prinzipien gegenüber. Funkenstreckenbasierte Ableiter zünden und leiten sehr große Ströme ab; sie werden typischerweise für Typ-1-Anwendungen eingesetzt. Varistorbasierte Ableiter arbeiten stufenlos, altern aber durch jedes Ereignis und werden am Lebensende thermisch abgetrennt. Für die Praxis bedeutet das: Ein Varistorableiter meldet sein Lebensende über die Statusanzeige, ein Funkenstreckengerät tut das nicht in gleicher Weise.

Kombigeräte vom Typ 1 und 2 sparen Platz und eine Koordinationsstufe. Sie sind sinnvoll in kleinen Verteilern, verlangen aber den Nachweis, dass der Schutzpegel für die nachgelagerte Installation ausreicht. Getrennte Stufen erlauben eine feinere Abstimmung und ersetzen im Fehlerfall nur das betroffene Modul.

Für das Ausfallverhalten zählt eine Eigenschaft besonders: die Fernmeldung. Ein potentialfreier Kontakt am Ableiter meldet die Abtrennung an eine Gebäudeleittechnik oder eine einfache Signalleuchte. Ohne diese Meldung fällt ein abgetrenntes Modul erst bei der nächsten Sichtkontrolle auf, und das kann Monate dauern. Wenn Sie eine Fernmeldung über eine Herstelleranwendung mit Internetanbindung nutzen, klären Sie vorher, welche Anlagendaten dabei übertragen werden und wo sie gespeichert werden; für die reine Statusmeldung reicht ein lokaler Kontakt ohne jede Datenübertragung aus.

Schnittstellen, an denen Systeme aneinander vorbeigeplant werden

Die häufigsten Mängel liegen nicht in den Komponenten, sondern zwischen den Gewerken. Der Dachdecker setzt die Modulunterkonstruktion, der Elektrobetrieb schließt die Anlage an, die Blitzschutzfachkraft errichtet die Fangeinrichtung, der Antennenbetrieb montiert den Mast, und niemand fühlt sich für den Trennungsabstand zuständig.

Vermeiden lässt sich das durch drei feste Schnittstellenvereinbarungen. Erstens: Wer den Trennungsabstand berechnet, ist namentlich benannt und bekommt die endgültige Dachbelegung vorgelegt, nicht den Entwurf. Zweitens: Der Anschluss der Antennenanlage an den Potentialausgleich ist einer Leistung eindeutig zugeordnet, nicht “bauseits”. Drittens: Die Ableiter auf der Gleichstromseite und auf der Wechselstromseite werden von derselben Stelle koordiniert, damit Schutzpegel und Einbauorte zusammenpassen.

Was Sie vergleichen können und was der Fachplanung vorbehalten bleibt

Sie können die Angebote entlang der Matrix sortieren, prüfen, ob jede Zeile beantwortet ist, und fehlende Angaben nachfordern. Sie können erkennen, ob ein Angebot die Antennenanlage und die Gleichstromseite überhaupt erwähnt, ob Ableitertypen benannt sind und ob eine Erstprüfung mit Prüfbericht enthalten ist. Und Sie können feststellen, ob ein Anbieter den Trennungsabstand als berechneten Wert oder als Behauptung führt.

Nicht vergleichen können Sie ohne Fachkenntnis, ob eine vorgeschlagene Fangstangenanordnung den Schutzbereich tatsächlich abdeckt, ob die Anzahl der Ableitungen zur gewählten Schutzklasse passt und ob ein Kombiableiter für die vorhandene Leitungslänge einen ausreichenden Schutzpegel bietet. Diese Nachweise erfordern die Rechenverfahren aus DIN EN IEC 62305 und die Koordinationsregeln aus DIN VDE 0100-534. Beauftragen Sie im Zweifel die Auslegung als eigene Leistung, bevor Sie Ausführungsangebote einholen; ein Nachweis, den mehrere Anbieter bepreisen, führt zu vergleichbaren Angeboten, ein Wunschzettel nicht.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIN EN IEC 62305 (VDE 0185-305), Teile 1 bis 4 — Blitzschutz; Normenübersicht des Normgebers DKE
  2. DIN VDE 0100-534 (VDE 0100-534):2016-10 — Errichten von Niederspannungsanlagen, Abschnitt 534: Überspannungs-Schutzeinrichtungen (SPDs)
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