Blitzschutz für Antenne und PV nachrüsten: Montage, Funktionsprüfung und Übergabe

Eine Funktions- und Übergabecheckliste. Im Mittelpunkt: Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen, Konfiguration.

03Sicherheit

Das Wichtigste in Kürze

  • Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen.
  • Der Beitrag liefert eine Funktions- und Übergabecheckliste.
  • Die Seite deckt ausschließlich Nachrüstung, Prüfung und sicheren Betriebsstart ab.

Vorbereitung: Was vor dem ersten Montagetag feststehen muss

Eine Nachrüstung im Bestand scheitert selten an der Montage und häufig an ungeklärten Vorfragen. Vier Punkte gehören vor den Baubeginn.

Erstens der Bestand: Gibt es eine Erdungsanlage, und ist ihr Verlauf dokumentiert? Ein Fundamenterder aus der Bauzeit ist nicht selbstverständlich vorhanden und in älteren Gebäuden häufig weder angeschlossen noch auffindbar. Ohne belastbare Aussage zur Erdungsanlage lässt sich keine Ableitung anschließen, und ein nachträglicher Ringerder verändert Zeitplan und Außenanlage erheblich.

Zweitens die endgültige Dachbelegung. Der Trennungsabstand wird für den Endzustand berechnet, nicht für den Zwischenstand. Wenn in zwei Jahren eine weitere Modulreihe oder eine Wärmepumpen-Außeneinheit dazukommt, gehört das in die Planung, sonst wird der Nachweis später ungültig.

Drittens die Zuständigkeiten. Blitzschutzarbeiten, Dacharbeiten, Elektroarbeiten und die Antennenanlage berühren einander an mehreren Stellen. Legen Sie schriftlich fest, wer den Trennungsabstand berechnet, wer die Dachdurchdringungen abdichtet, wer den Anschluss an die Haupterdungsschiene herstellt und wer die Antennenanlage einbezieht.

Viertens die notwendigen Abschaltungen. Für Arbeiten am Verteiler wird die Anlage oder ein Teil davon freigeschaltet. Klären Sie vorab, welche Verbraucher davon betroffen sind: Heizung, Kühlgeräte, Netzwerktechnik, Alarmanlage, Hebeanlage, medizinische Geräte. Ein Zeitfenster von wenigen Stunden ist meist ausreichend, muss aber angekündigt sein.

Montagefolge von unten nach oben

Die Reihenfolge ist keine Geschmacksfrage, weil jeder Schritt die Voraussetzung des nächsten schafft.

Am Anfang steht die Erdungsanlage: Ringerder oder Tiefenerder herstellen oder den vorhandenen Fundamenterder freilegen und den Anschluss an die Haupterdungsschiene prüfen. Erst danach werden die Ableitungen gesetzt, jeweils mit einer zugänglichen Trennstelle, damit spätere Messungen an definierter Stelle möglich sind. Dann folgt die Fangeinrichtung auf dem Dach mit den erforderlichen Durchdringungen und deren Abdichtung.

Im nächsten Schritt wird der Blitzschutz-Potentialausgleich hergestellt: Alle in das Gebäude eintretenden metallenen Systeme und alle Versorgungsleitungen werden an der Haupterdungsschiene zusammengeführt. Für Leitungen, die nicht direkt verbunden werden dürfen, weil sie im Betrieb Spannung führen, geschieht das über Überspannungs-Schutzeinrichtungen. Genau an dieser Stelle wird aus dem äußeren Schutz ein System, das auch der Installation nützt.

Dann kommen die Ableiterstufen: Blitzstromableiter am Anlageneintritt, wenn Blitzteilströme zu erwarten sind, Überspannungsableiter in der Verteilung, Endgeräteschutz dort, wo die Leitungslänge zwischen Verteilung und Verbraucher groß ist. Auf der Gleichstromseite der Dachanlage wird der Ableiter nahe am Wechselrichter gesetzt, bei langen Strangleitungen zusätzlich generatornah. Die Anschlussleitungen zu allen Ableitern werden so kurz wie möglich geführt; die Summe aus Hin- und Rückleitung sollte einen halben Meter nicht überschreiten, sonst steigt der wirksame Schutzpegel.

Zuletzt folgt die Antennenanlage: Erdung des Trägers, Einbeziehung in den Potentialausgleich und der koaxiale Ableiter am Gebäudeeintritt.

Funktions- und Übergabecheckliste

Prüfpunkt Durchführung Nachweis Freigabekriterium
Durchgängigkeit Fangeinrichtung bis Erder Messung an jeder Ableitung über die Trennstelle Messwert je Ableitung niederohmige Verbindung, keine Unterbrechung
Ausbreitungswiderstand der Erdungsanlage Messung mit dokumentiertem Verfahren Messwert und Messverfahren Zielgröße unter 10 Ohm, Abweichung begründet
Trennungsabstand an kritischen Punkten rechnerischer Nachweis gegen Ausführung Nachweis je Punkt eingehalten oder Anbindung ausgeführt
Anschluss der Dachanlage isoliert im Schutzbereich oder eingebunden Ausführungsbeschreibung mit Fotobeleg entspricht dem geplanten Weg
Blitzschutz-Potentialausgleich Sichtprüfung und Messung an der Haupterdungsschiene Liste der angeschlossenen Systeme jedes eintretende System aufgeführt
Ableiter Wechselstromseite Typ, Schutzpegel, Einbauort, Vorsicherung Datenblatt und Einbaustelle Typ passt zur Anbindungsart, Vorsicherung nach Herstellerangabe
Ableiter Gleichstromseite Einbauort und Leitungslänge zum Wechselrichter Datenblatt und Einbaustelle Anschlussleitungen kurz, Polung korrekt
Antennenanlage Erdungsleiter, Anschlusspunkt, koaxialer Ableiter Fotobeleg und Querschnittsangabe Erdung mit mindestens 16 Quadratmillimeter Kupfer oder gleichwertig
Elektrische Anlage nach dem Eingriff Schutzleiterprüfung, Isolationsmessung, Prüfung der Fehlerstromschutzschalter Prüfprotokoll mit Werten Werte innerhalb der normativen Grenzen
Statusanzeigen Sichtprüfung nach Wiederinbetriebnahme Vermerk im Protokoll alle Anzeigen grün, Fernmeldung ruhig
Wiederanlauf der Verbraucher Heizung, Wechselrichter, Netzwerktechnik, Hebeanlage Fehlerspeicher nach dem Zuschalten kein neuer Fehlereintrag
Dachdurchdringungen Sichtprüfung der Abdichtung, möglichst bei Regen nachkontrollieren Fotodokumentation dicht, keine Rückstände auf der Dachfläche
Übergabeunterlagen Bestandsplan, Prüfbericht, Datenblätter, Blitzschutzbuch vollständige Mappe liegt dem Eigentümer vor

Erstprüfung und Einweisung

Die Erstprüfung ist die Abnahmegrundlage, nicht eine Formalie am Ende. Sie umfasst die Besichtigung der gesamten Ausführung, die Messungen aus der Checkliste und die Bewertung der Trennungsabstände. Ergänzend ist die elektrische Anlage nach dem Eingriff erneut zu prüfen, weil jede Änderung an Verteilung und Potentialausgleich die Schutzmaßnahmen berührt.

Die Einweisung sollte drei Punkte abdecken. Erstens: Wo befinden sich die Trennstellen, und warum dürfen sie nicht überbaut oder überputzt werden? Zweitens: Wo sitzen die Statusanzeigen der Ableiter, welche Farbe bedeutet was, und wie oft sollen Sie hinsehen? Halbjährlich und nach jedem Gewitter mit spürbarer Nahwirkung ist ein praktikabler Rhythmus. Drittens: Welche Prüffristen gelten für Ihre Schutzklasse, und wann steht der nächste Termin an? Bei den Klassen I und II sieht DIN EN 62305-3 die Sichtprüfung jährlich und die umfassende Prüfung alle zwei Jahre vor, bei den Klassen III und IV die Sichtprüfung alle zwei und die umfassende Prüfung alle vier Jahre.

Lassen Sie sich außerdem zeigen, wie die Anlage auf dem Dach im Notfall freigeschaltet wird und welche Reihenfolge dabei nach Herstellervorgabe gilt. Diese Information brauchen Sie nicht für den Alltag, sondern für den Tag, an dem die Feuerwehr danach fragt.

Dokumentation, die den Betrieb über Jahrzehnte trägt

Legen Sie die Unterlagen als geschlossene Mappe ab, digital und auf Papier. Hinein gehören der Bestandsplan mit Lage der Fangeinrichtungen, Ableitungen und Erder, der rechnerische Nachweis der Trennungsabstände, der Erstprüfbericht mit allen Messwerten, die Datenblätter aller Ableiter mit Typ und Schutzpegel, die Angaben zur Antennenanlage und das Blitzschutzbuch für die Fortschreibung der wiederkehrenden Prüfungen.

Diese Mappe ist mehr als Ordnung. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass eine spätere Prüfung überhaupt bewerten kann, ob sich etwas verändert hat, und sie ist im Schadensfall der Nachweis, dass die Anlage bestimmungsgemäß errichtet und gewartet wurde.

Grenzen der Eigenleistung bei einer Nachrüstung

Der Wunsch, wenigstens die einfachen Teile selbst zu machen, ist verständlich und hier besonders riskant. Die Montage auf dem Dach berührt Absturzsicherung, Dachdurchdringung und Dichtheit. Die Herstellung von Verbindungen an Fang- und Ableitungen verlangt blitzstromtragfähige Bauteile und definierte Übergangswiderstände. Der Einbau von Ableitern verändert die Selektivität und die Abschaltbedingungen der elektrischen Anlage und ist nach DIN VDE 0105-100 Arbeiten an der elektrischen Anlage. Arbeiten an der Gleichstromseite einer Photovoltaikanlage berühren Spannungen, die bei Tageslicht auch ohne Wechselrichter anstehen.

Ihr Beitrag liegt anderswo, und er ist erheblich: Bestand klären, Endzustand festlegen, Schnittstellen schriftlich zuordnen, Zugänglichkeit von Trennstellen und Statusanzeigen einfordern, die Checkliste als Abnahmegrundlage vereinbaren und die Übergabemappe auf Vollständigkeit prüfen, bevor die Schlussrechnung bezahlt wird.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIN EN IEC 62305 (VDE 0185-305), Teile 1 bis 4 — Blitzschutz; Normenübersicht des Normgebers DKE
  2. DIN VDE 0100-712 (VDE 0100-712):2016-10 — Errichten von Niederspannungsanlagen, Teil 7-712: Photovoltaik-(PV)-Stromversorgungssysteme
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