Notstromaggregat am Wohnhaus nachrüsten: Montage, Funktionsprüfung und Übergabe

Zwei Fehler machen ein Notstromaggregat gefährlich: Abgase im Gebäude und Strom, der ungewollt ins Netz zurückläuft. Was die Umschalteinrichtung leisten muss, was bei der Funktionsprüfung nachgewiesen wird und welche Unterlagen zur Übergabe gehören.

Schema einer Notstromeinspeisung mit Netz, allpoliger Umschalteinrichtung und Aggregat im Freien, daneben die beiden Hauptgefahren Rückspeisung und Abgas sowie eine Übergabeliste
Schema einer Notstromeinspeisung mit Netz, allpoliger Umschalteinrichtung und Aggregat im Freien, daneben die beiden Hauptgefahren Rückspeisung und Abgas sowie eine Übergabeliste

Das Wichtigste in Kürze

  • Anlagen sind nach § 19 Absatz 1 NAV so zu betreiben, dass Störungen anderer Anschlussnehmer und störende Rückwirkungen auf Einrichtungen des Netzbetreibers ausgeschlossen sind.
  • Für Eigenanlagen verlangt § 19 NAV ausdrücklich geeignete Maßnahmen, damit keine schädlichen Rückwirkungen in das Elektrizitätsversorgungsnetz möglich sind.
  • § 49 Absatz 1 EnWG fordert, Energieanlagen so zu errichten und zu betreiben, dass die technische Sicherheit gewährleistet ist; Absatz 2 knüpft daran für Elektrizitätsanlagen die Vermutungswirkung der VDE-Regeln.
  • Verbrennungsmotoren erzeugen Kohlenmonoxid — ein farb- und geruchloses Gas; der Betrieb in Garage, Keller, Carport oder Hauseingangsbereich ist deshalb ausgeschlossen.
  • Zur Übergabe gehören Prüfprotokoll, Schaltplan der Umschalteinrichtung, Bedienanweisung und ein Nachweis über den erfolgreichen Umschaltversuch unter Last.

Zwei Fehler entscheiden über Erfolg oder Katastrophe

Eine Nachrüstung kann handwerklich sauber aussehen und trotzdem tödlich enden. Zwei Fehler sind dafür verantwortlich. Der erste ist der Weg der Abgase: Ein Verbrennungsmotor, der in einer Garage, einem Schuppen, unter einem Vordach oder neben einem gekippten Fenster läuft, füllt Innenräume mit Kohlenmonoxid. Das Gas ist farb- und geruchlos, es warnt nicht, und die Betroffenen bemerken die eigene Verwirrung nicht mehr rechtzeitig. Der zweite Fehler ist die Rückspeisung: Speist ein Erzeuger in die Hausinstallation ein, ohne dass die Verbindung zum Versorgungsnetz sicher unterbrochen ist, wandert Spannung über den Hausanschluss in das Ortsnetz und über den Transformator sogar auf die Mittelspannungsseite. Monteure, die dort an einer freigeschalteten Leitung arbeiten, geraten in unmittelbare Lebensgefahr.

Die gesamte Nachrüstung ordnet sich diesen beiden Punkten unter. Alles Weitere — Leistung, Komfort, Bedienbarkeit — kommt danach.

Der rechtliche Rahmen steht vor der Montage

Nach § 49 EnWG sind Energieanlagen so zu errichten und zu betreiben, dass die technische Sicherheit gewährleistet ist; maßgeblich sind dabei die allgemein anerkannten Regeln der Technik. Für die Elektroinstallation im Wohngebäude wird dieser Maßstab durch das VDE-Vorschriftenwerk ausgefüllt. § 19 NAV regelt ergänzend den Betrieb von Eigenanlagen: Sie dürfen den Netzbetrieb nicht stören, keine Rückwirkungen auf andere Anschlussnehmer verursachen, und ihre Verbindung mit dem Netz setzt das Einverständnis des Netzbetreibers voraus.

Praktisch heißt das dreierlei. Erstens klärt Ihr Fachbetrieb vor der Bestellung mit dem zuständigen Netzbetreiber, welche Anzeige- oder Zustimmungsunterlagen im konkreten Netzgebiet gefordert sind. Zweitens dürfen Einspeisestelle und Umschalteinrichtung ausschließlich von einem Unternehmen errichtet werden, das in ein Installateurverzeichnis eingetragen ist. Drittens gehört zur Nachrüstung eine Erstprüfung mit Messprotokoll, nicht bloß ein Funktionstest per Augenschein.

Was die Umschalteinrichtung leisten muss

DIN VDE 0100-551 Beiblatt 1 behandelt Notstromeinspeisungen mit mobilen Stromerzeugungseinrichtungen und beschreibt die dafür zulässigen Ausführungen. Der Kern lässt sich in fünf Eigenschaften zusammenfassen, die Sie im Angebot wiederfinden müssen.

Die Umschaltung trennt allpolig, den Neutralleiter eingeschlossen. Sie ist mechanisch so verriegelt, dass Netz und Erzeuger niemals gleichzeitig aufgeschaltet werden können — eine bloße Beschriftung oder eine organisatorische Regelung genügt dafür nicht. Ihre Stellung ist außen eindeutig ablesbar, auch im Dunkeln mit einer Taschenlampe. Sie ist so eingebaut, dass die Schutzmaßnahme in beiden Betriebsarten wirksam bleibt, wozu ein definierter Erdbezug für den Notstrombetrieb gehört. Und sie ist zusammen mit der Einspeisestelle dauerhaft gekennzeichnet, damit Einsatzkräfte die zweite Energiequelle erkennen.

Zwei verbreitete Improvisationen erfüllen keine dieser Bedingungen: eine Leitung mit Steckern an beiden Enden und das Herausdrehen einer Sicherung als Ersatz für eine Trennstelle. Die erste legt Spannung auf frei zugängliche Steckerstifte, die zweite trennt nicht alle Leiter und lässt sich jederzeit rückgängig machen, während der Erzeuger läuft.

Montagefolge: von außen nach innen

Bewährt hat sich eine Reihenfolge, die den Standplatz zuerst festlegt und die Arbeiten im Zählerschrank ans Ende stellt.

Zuerst entsteht der Standplatz im Freien: fester Untergrund, Regenschutz mit allseitiger Belüftung, gemessene Abstände zu Fenstern, Türen, Lichtschächten, Zuluftgittern und Lüftungsauslässen, Abgasrichtung vom Gebäude weg. Danach folgt der Kraftstoffbereich mit dem festgelegten Lagerort und der zulässigen Vorratsmenge. Anschließend wird die Einspeisestelle gesetzt und die Zuleitung zum Verteiler verlegt, danach der Erdungs- und Potentialausgleichspunkt hergestellt, den das Schutzkonzept für den Inselbetrieb verlangt. Erst dann wird im Zählerschrank gearbeitet.

Für diesen letzten Schritt wird das gesamte Haus abgeschaltet, häufig verbunden mit dem Ziehen von Plomben — das darf nur der Netzbetreiber oder ein von ihm berechtigter Betrieb veranlassen. Planen Sie den Tag entsprechend: Rechner und Netzwerkgeräte kontrolliert herunterfahren, Gefriertruhen geschlossen lassen, Einstellungen von Heizungsregelung und Zeitschaltuhren vorher notieren, Notentriegelung von Torantrieben ausprobieren. Zum Abschluss werden Kennzeichnung, Übersichtsschild und die Kurzanleitung am Zählerschrank angebracht.

Funktions- und Übergabecheckliste

Prüfpunkt Nachweis bei der Übergabe Wer bestätigt
Sichere Trennung vom Versorgungsnetz Vorführung beider Schaltstellungen, Verriegelung geprüft Errichter
Allpolige Umschaltung einschließlich Neutralleiter Eintrag im Prüfbericht mit Typangabe der Einrichtung Elektrofachkraft
Erdungs- und Schutzkonzept im Notstrombetrieb Messprotokoll mit Auslösebedingung und Schleifenwert Elektrofachkraft
Erstprüfung der geänderten Anlage vollständiger Prüfbericht mit allen Messwerten Elektrofachkraft
Abstimmung mit dem Netzbetreiber Anzeige- oder Zustimmungsschreiben in Kopie Errichter
Abstände des Standplatzes zu Gebäudeöffnungen Aufmaß im Übergabeprotokoll, nicht nur im Plan Errichter und Eigentümer
Abgasrichtung im Betrieb geprüft Beobachtung während des Abnahmelaufs Errichter und Eigentümer
Kohlenmonoxidmelder montiert und ausgelöst getestet Montageorte und Testergebnis notiert Eigentümer
Startvorgang durch eine ungeübte Person Vorführung ohne Hilfestellung des Monteurs Eigentümer
Lastprobe mit den vorgesehenen Stromkreisen Verbraucher nacheinander zugeschaltet und beobachtet beide Seiten
Verhalten bei Überlast Reaktion des Aggregats dokumentiert Errichter
Rückschaltung auf Netzbetrieb nach Spannungsrückkehr Ablauf vorgeführt und Reihenfolge schriftlich fixiert Errichter
Kennzeichnung von Einspeisestelle und Zählerschrank Schilder angebracht, Übersichtsplan hinterlegt Errichter
Kraftstoffvorrat, Lagerort und Umwälzplan schriftliche Festlegung mit Mengenangabe Eigentümer
Einweisung aller Bewohner unterschriebenes Einweisungsprotokoll beide Seiten
Unterlagen vollständig übergeben Betriebsanleitung, Stromlaufplan, Prüfbericht, Wartungsplan Errichter

Unterschreiben Sie die Abnahme erst, wenn jede Zeile bestätigt ist. Ein offener Punkt in den ersten vier Zeilen ist kein Restposten, sondern ein Abnahmehindernis.

Die Lastprobe, die wirklich etwas aussagt

Verlassen Sie sich nicht darauf, dass eine Glühlampe leuchtet. Schalten Sie bei der Abnahme die Verbraucher zu, die im Ernstfall laufen sollen, und zwar einzeln und in der Reihenfolge, die später gelten soll. Kühlgeräte, Umwälzpumpen, Hebeanlagen und Brennergebläse ziehen im Anlauf ein Vielfaches ihrer Nennleistung; erst diese Stöße zeigen, ob die Auslegung stimmt. Beobachten Sie dabei die Spannungs- und Frequenzanzeige und ob die Heizungsregelung nach dem Zuschalten sauber weiterarbeitet.

Halten Sie die Ergebnisse schriftlich fest: welcher Verbraucher zu welchem Zeitpunkt lief, ob die Drehzahl einbrach, ob eine Schutzeinrichtung ansprach. Daraus entsteht die Reihenfolgeregel für den Ernstfall — und die Erkenntnis, welche Geräte bewusst ausbleiben müssen.

Einweisung: drei Sätze, die jeder können muss

Im Ereignisfall bedient häufig nicht die Person, die den Kauf betrieben hat. Die Einweisung muss deshalb so knapp sein, dass sie nachts im Dunkeln funktioniert: erstens die Umschalteinrichtung in die Notstromstellung bringen, bevor das Aggregat startet, und nach Spannungsrückkehr in der festgelegten Reihenfolge zurückschalten; zweitens das Aggregat ausschließlich am vorgesehenen Platz im Freien betreiben; drittens sofort abstellen und ins Freie gehen, wenn ein Kohlenmonoxidmelder anschlägt oder jemand über Kopfschmerzen und Übelkeit klagt.

Hinterlegen Sie diese Punkte laminiert am Zählerschrank, ergänzt um die Rufnummer des Errichters und die Angabe, welche Stromkreise überhaupt versorgt werden. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät in seiner Bürgerinformation zum Stromausfall zudem, technische Lösungen mit einfacher Vorsorge zu verbinden: Licht, Wärme, Trinkwasser und ein netzunabhängiges Radio wirken auch dann, wenn der Motor nicht anspringt.

Grenzen der Eigenleistung

Selbst übernehmen können Sie die Vorbereitung und Befestigung des Standplatzes, die Beschaffung und Lagerung des Kraftstoffs, die Montage und den Test der Kohlenmonoxidmelder, die Auswahl und Priorisierung der zu versorgenden Stromkreise, die Vorsorge für den Abschalttag sowie die Teilnahme an Lastprobe und Einweisung.

Nicht selbst ausführen dürfen Sie die Einspeisestelle, die Zuleitung, den Einbau der Umschalteinrichtung, jeden Eingriff im plombierten Bereich, die Herstellung der Erdungsverbindung für den Inselbetrieb und die Erstprüfung. Diese Arbeiten setzen die Eintragung in ein Installateurverzeichnis voraus. Wer sie improvisiert, gefährdet nicht nur den eigenen Haushalt, sondern auch Menschen, die am Netz arbeiten und sich auf dessen Spannungsfreiheit verlassen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. § 19 NAV — Betrieb von elektrischen Anlagen, Verbrauchsgeräten und Ladeeinrichtungen, Eigenanlagen
  2. § 49 EnWG — Anforderungen an Energieanlagen
  3. DIN VDE 0100-551 Beiblatt 1 (VDE 0100-551 Beiblatt 1):2019-06 — Ausführungen von Notstromeinspeisungen mit mobilen Stromerzeugungseinrichtungen
  4. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe — Stromausfall: Vorsorge und Selbsthilfe, Bürgerinformation, Stand Januar 2019
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