Ersatzstrom aus PV und Batteriespeicher – Systeme vergleichen: Sicherheit, Kompatibilität und Ausfallverhalten

Eine Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen. Im Mittelpunkt: Systemvarianten, Schutzwirkung, Schnittstellen, Datenschutz.

03Sicherheit

Das Wichtigste in Kürze

  • Systemvarianten, Schutzwirkung, Schnittstellen.
  • Der Beitrag liefert eine Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen.
  • Die Seite trennt alternative Systeme nach einheitlichen Sicherheitskriterien.

Fünf Bauformen hinter einem Begriff

Ersatzstrom ist keine Produkteigenschaft, sondern eine Systemarchitektur. Im Markt begegnen Ihnen fünf Bauformen, und sie unterscheiden sich in drei Punkten: wo die Trennstelle zum Versorgungsnetz sitzt, wie viele Außenleiter im Ereignisfall Spannung führen und ob jemand im Haus eingreifen muss, damit die Versorgung anläuft.

Die erste Bauform ist die separate Notstromsteckdose am Wechselrichter oder am Speicher. Sie wird im Netzausfall von Hand aktiviert, die feste Installation bleibt spannungslos, und die Verbraucher hängen an Verlängerungsleitungen. Weil keine Verbindung zur Hausinstallation entsteht, entfällt die gesamte Umschaltproblematik — mit ihr allerdings auch jeder Komfort und jede Automatik.

Die zweite Bauform versorgt einen abgegrenzten Teil der Hausinstallation über einen eigenen Ersatzstromverteiler, meist einphasig. Die dritte erweitert dasselbe Prinzip auf alle drei Außenleiter und damit auf das vollständige Hausnetz einschließlich Herd, Durchlauferhitzer und Wärmepumpe. Die vierte ist das inselfähige System, bei dem der Netzbezug zur Ausnahme wird und die Anlage dauerhaft ein eigenes Netz führt. Die fünfte Bauform verzichtet bewusst auf jede Ersatzstromfähigkeit des Speichers und sichert stattdessen einzelne Verbraucher gesondert ab.

Der gemeinsame Prüfstein: die Trennstelle

Alle Varianten, die Spannung in die feste Installation legen, stehen und fallen mit derselben Anforderung. DIN VDE 0100-551 verlangt für Niederspannungsstromerzeugungseinrichtungen, dass eine gleichzeitige Verbindung von Erzeugungseinrichtung und Versorgungsnetz im Ersatzstrombetrieb sicher ausgeschlossen ist. Technisch bedeutet das eine Umschalteinrichtung, die alle aktiven Leiter einschließlich des Neutralleiters führt und deren Stellungen gegeneinander verriegelt sind.

Der Grund ist keine Formalie. Speist eine Hausanlage in einen abgeschalteten Netzabschnitt zurück, steht die Leitung unter Spannung, an der Monteure des Netzbetreibers arbeiten — mit tödlicher Folge. Deshalb darf die Umschalteinrichtung ausschließlich von einem Installationsunternehmen errichtet werden, das in einem Installateurverzeichnis eingetragen ist, und deshalb ist jede Bastellösung mit gekreuzten Steckern ausgeschlossen.

Bei der ersten Bauform verschiebt sich die Prüffrage: Hier muss sichergestellt sein, dass die Notstromsteckdose galvanisch von der Hausinstallation getrennt bleibt und nur im Inselbetrieb Spannung führt. Lassen Sie sich diese Eigenschaft im Datenblatt zeigen, statt sie zu unterstellen.

Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen

Bauform Trennstelle zum Netz Versorgte Außenleiter Eingriff im Ereignisfall Mindestanforderung, ohne die die Variante ausscheidet
Notstromsteckdose entfällt, getrennter Ausgang einer, begrenzte Dauerleistung manuelle Aktivierung, Geräte anstecken nachgewiesene galvanische Trennung vom Hausnetz
Einphasiger Ersatzstrom auf Teilnetz verriegelte Umschalteinrichtung im Zählerschrank einer, ausgewählte Stromkreise keiner, automatischer Anlauf dokumentierte Schutzmaßnahme im Inselbetrieb
Dreiphasiger Ersatzstrom für das Hausnetz verriegelte Umschalteinrichtung, allpolig drei, gesamtes Hausnetz keiner Angabe der Dauer- und Kurzzeitleistung je Außenleiter
Inselfähiges System dauerhafte Trennstelle mit Netznachführung ein oder drei, je Auslegung keiner Nachweis der Schwarzstartfähigkeit ohne Netzstütze
Speicher ohne Ersatzstromfunktion entfällt keine Einzellösungen von Hand starten schriftliche Aussage, dass keine Ersatzversorgung besteht

Die letzte Zeile ist kein Scherz, sondern die häufigste Enttäuschung: Ein netzparallel betriebener Speicher schaltet bei Netzausfall mit ab. Lassen Sie sich diese Eigenschaft ausdrücklich bestätigen, wenn Sie eine Bestandsanlage bewerten, statt aus dem Vorhandensein einer Batterie auf Verfügbarkeit zu schließen.

Nachladen im Ereignisfall: das Kriterium, das über Stunden entscheidet

Zwei Systeme mit gleicher Speicherkapazität können im Ausfall völlig unterschiedlich lange durchhalten. Entscheidend ist, ob die Photovoltaikanlage im Inselbetrieb weiter Energie liefert oder ob nur der beim Ausfall vorhandene Speicherinhalt zur Verfügung steht.

Technisch ist das anspruchsvoll: Der Wechselrichter muss im Inselnetz Frequenz und Spannung selbst führen und zugleich die Modulleistung so einregeln, dass Erzeugung und Verbrauch jederzeit zusammenpassen. Systeme, die das beherrschen, überstehen mehrtägige Ausfälle bei brauchbarem Wetter; Systeme ohne diese Fähigkeit sind nach dem Entladen der Batterie am Ende, auch wenn die Sonne scheint.

Fragen Sie deshalb in jedem Angebot zwei Dinge ab: Wird im Ersatzstrombetrieb aus der Photovoltaik nachgeladen, und mit welchem Anteil der installierten Modulleistung? Und was geschieht, wenn die Erzeugung die Last übersteigt — regelt das System ab, oder schaltet es auf Störung? Die Antwort auf die zweite Frage trennt ausgereifte von improvisierten Lösungen.

Schnittstellen, Fernzugriff und Datenhaltung

Speichersysteme sind vernetzte Geräte. Sie erfassen Erzeugung, Verbrauch, Ladezustand und häufig auch die Leistung einzelner Stromkreise in kurzen Intervallen. Daraus lässt sich ein detailliertes Bild des Tagesablaufs im Haushalt ableiten, und dieses Bild liegt bei vielen Herstellern in einem Portal außerhalb Ihres Hauses.

Prüfen Sie beim Vergleich drei Punkte. Erstens: Funktioniert das System vollständig ohne Cloudverbindung, insbesondere die Ersatzstromumschaltung? Ein Sicherheitsmechanismus, der eine Internetverbindung braucht, ist im Ereignisfall unbrauchbar, denn Netzausfall bedeutet in der Regel auch Ausfall der Anschlusstechnik beim Netzbetreiber. Zweitens: Gibt es eine lokale Schnittstelle, über die Sie Betriebsdaten im eigenen Netz auslesen können, ohne den Umweg über einen Anbieterserver? Drittens: Wer kann per Fernwartung auf Parameter zugreifen, und wird jeder Zugriff protokolliert?

Klären Sie außerdem, was mit den Daten und den Diensten geschieht, wenn der Hersteller den Portalbetrieb einstellt. Bleibt das System dann bedienbar, oder verliert es Funktionen? Diese Frage gehört schriftlich beantwortet, bevor Sie sich für eine Plattform entscheiden.

Wartbarkeit und Verhalten bei Eigenausfall

Ein Ersatzstromsystem ist selbst eine Fehlerquelle. Prüfen Sie deshalb, wie sich die Anlage verhält, wenn nicht das Netz, sondern das System ausfällt. Gute Lösungen bleiben in diesem Fall im Netzparallelbetrieb durchgängig, das heißt: Der Bezug aus dem Netz läuft weiter, nur die Speicherfunktion fehlt. Schlechte Lösungen führen bei einem internen Fehler dazu, dass angeschlossene Stromkreise dunkel bleiben, obwohl das Netz verfügbar ist.

Zur Wartbarkeit gehören außerdem die Ersatzteilversorgung über die erwartete Nutzungsdauer, die Frage, ob einzelne Batteriemodule getauscht werden können, die Verfügbarkeit von Firmwareständen auch nach Modellwechsel und die Frage, ob Reparaturen nur der Hersteller oder auch ein freier Fachbetrieb ausführen darf. Systeme, die ausschließlich vom Errichter betreut werden dürfen, binden Sie über zwanzig Jahre an ein Unternehmen, dessen Fortbestand Sie nicht kennen.

Was Sie vergleichen können und wo der Vergleich endet

Sie selbst können Datenblätter gegenüberstellen, die obige Matrix ausfüllen lassen, Betriebsarten und Phasenzahl abgleichen, Schnittstellen und Portalabhängigkeiten bewerten sowie Garantie- und Serviceklauseln lesen. Das deckt den größten Teil der Auswahlentscheidung ab und lässt sich ohne Fachkenntnis sauber dokumentieren.

Nicht beurteilen können Sie, ob eine angebotene Umschaltlösung im konkreten Zählerschrank normgerecht umsetzbar ist, ob der Schutz durch automatische Abschaltung im Inselbetrieb tatsächlich wirkt und ob der vorhandene Hausanschluss die geplante Konfiguration trägt. Diese Punkte entscheiden sich vor Ort und gehören in die Hand einer Elektrofachkraft eines eingetragenen Installationsunternehmens, das die Anlage anschließend auch anmeldet und prüft. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe weist in seiner Bürgerinformation zum Stromausfall zudem darauf hin, dass technische Vorsorge stets durch nichttechnische Vorsorge zu ergänzen ist — Licht, Wärme, Wasser und Information müssen auch dann gesichert sein, wenn die gewählte Technik einmal nicht anläuft.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIN VDE 0100-551 (VDE 0100-551):2017-02 — Errichten von Niederspannungsanlagen, Abschnitt 551: Niederspannungsstromerzeugungseinrichtungen
  2. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe — Stromausfall: Vorsorge und Selbsthilfe, Bürgerinformation, Stand Januar 2019
Weiterlesen

Mehr zum Thema

016 Artikel
Von Leserinnen und Lesern entdeckt

Besonders beliebte Artikel

026 Artikel
Noch mehr Wissen für Ihr Zuhause

Das könnte Sie auch interessieren

036 Artikel