Ersatzstrom aus PV und Batteriespeicher sicher prüfen: Zustand, Warnzeichen und Abschaltkriterien

Einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar. Im Mittelpunkt: sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle, Warnzeichen.

03Sicherheit

Das Wichtigste in Kürze

  • Sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle.
  • Der Beitrag liefert einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar.
  • Die Seite prüft eine vorhandene Anlage, ohne unzulässige Eigenarbeiten anzuleiten.

Bedienen ist erlaubt, arbeiten nicht

DIN VDE 0105-100 unterscheidet beim Betrieb elektrischer Anlagen zwischen Bedienen und Arbeiten. Bedienen heißt: schalten, steuern, ablesen, beobachten — alles, was über die dafür vorgesehenen Bedienelemente geschieht und keinen Zugriff auf aktive Teile erfordert. Arbeiten heißt: Abdeckungen entfernen, Klemmen lösen, messen an spannungsführenden Teilen, Bauteile tauschen. Der zweite Bereich ist Elektrofachkräften vorbehalten.

Als Betreiber einer Anlage mit Photovoltaik, Speicher und Ersatzstromfunktion tragen Sie die Verantwortung dafür, dass der ordnungsgemäße Zustand erhalten bleibt. Sie erfüllen diese Pflicht nicht durch Öffnen von Gehäusen, sondern durch regelmäßige Beobachtung, sauber geführte Aufzeichnungen und die rechtzeitige Beauftragung einer Fachkraft. Alle folgenden Prüfschritte bleiben deshalb konsequent auf der Seite des Bedienens und Beobachtens.

Die Gleichstromseite ist nie abgeschaltet

Ein Punkt vorab, weil er der häufigste Grund für schwere Unfälle an Photovoltaikanlagen ist: Solarmodule erzeugen Spannung, sobald Licht auf sie fällt. Ein Ausschalten gibt es auf der Modulseite nicht. Die Gleichstromleitungen zwischen Modulfeld und Wechselrichter stehen tagsüber unter Spannung, auch wenn der Hauptschalter der Anlage aus ist und das öffentliche Netz ausgefallen ist.

DIN VDE 0100-712 regelt für Photovoltaik-Stromversorgungssysteme genau diesen Umstand: Die Gleichstromseite ist so zu errichten und zu kennzeichnen, dass jede Person erkennt, welche Leitungen dauerhaft aktiv sein können, und es ist ein definierter Freischaltpunkt vorzusehen. Ihre Prüfaufgabe beschränkt sich deshalb auf Sichtkontrolle aus sicherem Abstand: Sind Kennzeichnungsschilder vorhanden und lesbar? Ist der Gleichstromschalter zugänglich und beschriftet? Liegen Leitungen ungeschützt, hängen sie durch, sind Steckverbinder verschmutzt oder Mantel und Isolierung sichtbar beschädigt? Anfassen, öffnen oder trennen Sie dort nichts.

Sichtbefunde am Speicher und ihre Bedeutung

Der Speicher ist das Bauteil mit der höchsten gespeicherten Energie im Haus. Gehen Sie ihn in einem festen Rhythmus mit den Augen und der Nase ab, ohne ihn zu öffnen.

Achten Sie auf Verformungen des Gehäuses oder einzelner Module, auf Verfärbungen und Schmelzspuren an Kabeleinführungen, auf Kondensat oder Wasserspuren am Aufstellort, auf zugestellte Lüftungsöffnungen, auf ungewohnte Geräusche der Lüfter und auf jeden ungewöhnlichen Geruch. Prüfen Sie außerdem, ob der Freiraum ringsum noch dem entspricht, was der Hersteller vorgibt — in der Praxis wandern über die Jahre Regale, Kartons und Wäscheständer an die Batterie heran.

Ebenso wichtig ist die Umgebungstemperatur. Speicher haben einen Betriebstemperaturbereich, dessen Über- oder Unterschreitung Leistung und Lebensdauer verringert und im Extremfall die Freigabe des Betriebs entzieht. Ein Thermometer am Aufstellort, einmal im Sommer und einmal im Winter abgelesen, ist eine der wirksamsten Prüfungen überhaupt und kostet nichts.

Prüfmatrix mit Prioritäten

Befund Woran Sie ihn erkennen Priorität Erste Maßnahme
Gehäuse verformt, aufgebläht oder heiß Sichtkontrolle, Handflächenabstand ohne Berührung sofort Raum verlassen, Feuerwehr verständigen, Raum nicht wieder betreten
Stechender oder süßlicher Geruch, Rauch, Zischen Geruch, Geräusch sofort Raum verlassen, Türen schließen, Notruf, keine Löschversuche
Schmelzspuren oder Verfärbung an Klemmen und Einführungen Sichtkontrolle von außen sofort Fachbetrieb rufen, System nicht weiter betreiben
Wasser, Kondensat oder Feuchtigkeit am Aufstellort Sichtkontrolle, Bodenkontrolle sofort Ursache beseitigen lassen, Fachbetrieb einschalten
Dauerhafte Störmeldung am Wechselrichter Display, Portal, Statusleuchte bald Fehlercode notieren, Errichter kontaktieren
Kennzeichnung oder Übersichtsplan fehlt oder unlesbar Sichtkontrolle am Zählerschrank und Hausanschluss bald Ersatz beim Errichter anfordern
Lüftungsöffnungen zugestellt, Staubbelag, Freiräume unterschritten Sichtkontrolle, Maßband bald Umfeld räumen, Reinigung nach Herstellervorgabe
Raumtemperatur außerhalb des Herstellerbereichs Thermometer über Sommer und Winter bald Belüftung oder Standortwechsel prüfen lassen
Ersatzstromfunktion läuft im Test nicht an jährliche Funktionsprobe bald Protokoll erstellen, Errichter mit Mangelanzeige beauftragen
Reservierter Ladezustand nicht mehr eingestellt Anzeige im Bediengerät planbar Parameter durch Fachbetrieb wiederherstellen lassen
Anlagenbuch, Prüfprotokoll oder Stromlaufplan fehlt Unterlagenkontrolle planbar Unterlagen nachfordern und ablegen
Wiederholungsprüfung der Elektroinstallation überfällig Datum im letzten Prüfbericht planbar Termin mit Elektrofachkraft vereinbaren

Arbeiten Sie die Zeilen in dieser Reihenfolge ab. Die vier oberen Befunde erlauben keine Abwägung: Bei thermisch auffälligen Lithiumbatterien besteht die Gefahr einer sich selbst verstärkenden Reaktion mit Brandgasen, gegen die Sie mit Hausmitteln nichts ausrichten.

Die jährliche Funktionsprobe

Eine Ersatzstromfunktion, die nie ausgelöst hat, ist eine Behauptung. Vereinbaren Sie bei der Einweisung, wie Sie die Umschaltung gefahrlos auslösen dürfen — üblich ist eine Prüffunktion im Bediengerät oder das Betätigen eines dafür vorgesehenen Schalters durch den Errichter.

Protokollieren Sie bei jeder Probe fünf Angaben: Datum, Ladezustand vor dem Test, Zeit bis zur Wiederkehr der Spannung in den Ersatzstromkreisen, welche Verbraucher tatsächlich gelaufen sind und ob die Rückschaltung auf Netzbetrieb störungsfrei erfolgte. Diese fünf Zeilen ergeben nach wenigen Jahren eine Reihe, aus der Sie schleichende Verschlechterungen erkennen, lange bevor sie zum Ausfall führen.

Verzichten Sie ausdrücklich darauf, die Umschaltung durch Herausdrehen von Sicherungen, Betätigen fremder Schaltgeräte im Zählerschrank oder Ziehen des Hausanschlusses zu erzwingen. Schaltgeräte im plombierten Bereich sind für Sie tabu.

Abschaltkriterien: wann der Betrieb endet

Drei Situationen beenden den Betrieb sofort und ohne Diskussion. Erstens jeder Hinweis auf eine thermische Reaktion der Batterie — Verformung, Hitze, Geruch, Rauch. Zweitens sichtbare Beschädigung der Isolierung an aktiven Leitungen, gleich ob auf der Gleich- oder Wechselstromseite. Drittens Wasser am oder im Betriebsmittel, etwa nach Rohrbruch oder Rückstau.

Zwei weitere Situationen verlangen die Abmeldung der Ersatzstromfunktion, bis eine Fachkraft sie freigegeben hat: eine Umschalteinrichtung, deren Stellung nicht mehr eindeutig erkennbar ist, und eine Anlage, an der nach einem Blitzereignis oder einem Überspannungsereignis Betriebsmittel angesprochen haben. Verlassen Sie sich in diesen Fällen nicht darauf, dass ein System, das noch Anzeigen zeigt, auch noch schützt.

Wo Ihre Prüfung endet

In Ihrer Hand liegen Sichtkontrolle, Geruchs- und Geräuschbeobachtung, Temperaturkontrolle, Ablesen von Status und Fehlercodes, die Funktionsprobe nach Einweisung, die Pflege der Unterlagen und die Terminüberwachung. Das ist ein vollständiger Betreiberbeitrag und ersetzt keinerlei Fachprüfung.

Außerhalb Ihrer Möglichkeiten liegen alle Messungen: Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz, Auslösezeit der Fehlerstromschutzeinrichtung, Durchgängigkeit des Schutzleiters, Kennlinienmessung des Modulfelds und der Nachweis, dass im Inselbetrieb der Schutz durch automatische Abschaltung tatsächlich wirkt. Ebenso wenig können Sie beurteilen, ob eine Umschalteinrichtung noch sicher verriegelt. Diese Prüfungen setzen Messgeräte, Fachkunde und den Zugang zum plombierten Bereich voraus und sind einem in ein Installateurverzeichnis eingetragenen Betrieb vorbehalten.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIN VDE 0105-100 (VDE 0105-100):2015-10 — Betrieb von elektrischen Anlagen
  2. DIN VDE 0100-712 (VDE 0100-712):2016-10 — Errichten von Niederspannungsanlagen, Teil 7-712: Photovoltaik-(PV)-Stromversorgungssysteme
Weiterlesen

Mehr zum Thema

016 Artikel
Von Leserinnen und Lesern entdeckt

Besonders beliebte Artikel

026 Artikel
Noch mehr Wissen für Ihr Zuhause

Das könnte Sie auch interessieren

036 Artikel