Notfallplan für elektrische Haustechnik planen: Schutzmaßnahmen, Zuständigkeiten und sichere Abläufe

Einen Schutzplan mit Prioritäten und Verantwortlichkeiten. Im Mittelpunkt: bauliche, technische, organisatorische Maßnahmen, Zuständigkeiten.

03Sicherheit

Das Wichtigste in Kürze

  • Bauliche, technische, organisatorische Maßnahmen.
  • Der Beitrag liefert einen Schutzplan mit Prioritäten und Verantwortlichkeiten.
  • Die Seite konzentriert sich nur auf vorbeugende Schutzorganisation.

Der Plan beginnt mit einer Liste, nicht mit einem Gerät

Der häufigste Fehler bei der Vorsorge besteht darin, mit der Anschaffung zu beginnen. Ein Stromerzeuger im Schuppen ersetzt keinen Plan, und eine Powerstation im Regal löst kein Problem, das niemand benannt hat. Beginnen Sie stattdessen mit einer Liste der Funktionen, die im Ausfall aufrechterhalten werden sollen, und zwar in einer Rangfolge.

Ganz oben stehen Funktionen, deren Ausfall Personen gefährdet: medizinische Geräte, Treppenlift, Beleuchtung von Flucht- und Treppenwegen, Kommunikationsfähigkeit für einen Notruf. Darunter folgen Funktionen, deren Ausfall Substanzschäden erzeugt: Abwasserhebeanlage, Sumpfpumpe, Frostschutz für Leitungen, Trocknung in Feuchtbereichen. Erst danach kommen Komfort- und Versorgungsfunktionen: Kühlung von Lebensmitteln, Warmwasser, Internetzugang, Ladeinfrastruktur.

Diese Rangfolge entscheidet über alles Weitere, denn sie bestimmt, welche Leistung, welche Überbrückungsdauer und welche Anschlussart überhaupt gebraucht werden. Eine Hebeanlage braucht kurzzeitig eine erhebliche Anlaufleistung, ein Sauerstoffkonzentrator eine kleine Leistung über viele Stunden. Beides mit demselben Gerät abdecken zu wollen, führt zu einer Lösung, die für beides schlecht passt.

Bauliche und organisatorische Vorbereitung vor der Technik

Drei Vorbereitungen sind unabhängig von jeder Anschaffung wirksam.

Die erste betrifft die Zugänglichkeit. Zählerschrank, Unterverteilungen, Hauptabsperrungen für Wasser und Gas und die Notentriegelungen von Toren und Aufzügen müssen ohne Umräumen erreichbar sein, auch im Dunkeln. Ein Verteiler hinter einem Schrank ist im Ereignisfall nicht vorhanden. Halten Sie an jedem dieser Punkte eine netzunabhängige Leuchte bereit, nicht in einer zentralen Schublade.

Die zweite betrifft die Beschriftung. Jeder Stromkreis im Verteiler sollte eindeutig bezeichnet sein, und zwar so, dass eine ortsfremde Person damit arbeiten kann. Ergänzen Sie eine laminierte Übersicht an der Innenseite der Verteilertür: welcher Schalter versorgt was, wo liegen die Absperrungen, wo die Notentriegelungen.

Die dritte betrifft die Kommunikation. Notieren Sie auf einem Blatt, das ohne Strom lesbar ist: die Störungsnummer des Netzbetreibers, den Elektrofachbetrieb, den Heizungs- und den Sanitärnotdienst, die Aufzugnotrufzentrale, den Verwalter sowie Kontakte zu Nachbarn, die im Ereignisfall helfen können. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt in seiner Bürgerinformation zum Stromausfall ausdrücklich ein netzunabhängiges Radio mit Batterien, weil im großflächigen Ausfall auch Mobilfunk und Internet nach einiger Zeit nicht mehr verfügbar sind.

Wenn eine Ersatzstromquelle eingebunden werden soll

Sobald eine Ersatzstromquelle nicht nur ein einzelnes Gerät über eine Verlängerung versorgen, sondern in die Hausinstallation einspeisen soll, verlässt der Plan den Bereich der Selbsthilfe und wird zur Anlagentechnik. DIN VDE 0100-551 Beiblatt 1 behandelt genau diesen Fall für mobile Stromerzeugungseinrichtungen und benennt die kritischen Punkte.

Erstens muss eine Rückspeisung in das Versorgungsnetz sicher ausgeschlossen sein. Das setzt eine Umschalteinrichtung voraus, die zwischen Netz und Ersatzstromquelle umschaltet und dabei eine gleichzeitige Verbindung konstruktiv verhindert. Improvisierte Lösungen über eine beidseitig mit Steckern versehene Leitung sind lebensgefährlich für Personen, die am Netz arbeiten, und in jeder Hinsicht unzulässig.

Zweitens muss der Neutralleiter in der Umschaltung mitgeführt werden, damit im Ersatzbetrieb keine unzulässigen Verhältnisse mit doppelter Erdung entstehen. Drittens, und das ist der am häufigsten übersehene Punkt: Viele mobile Stromerzeuger sind ab Werk ohne Erdbezug ausgeführt und damit für die Versorgung eines einzelnen Verbrauchers über eine Leitung gedacht. In dieser Betriebsart wirken Fehlerstromschutzschalter in der Hausinstallation nicht wie gewohnt, weil der erste Fehler keinen Fehlerstrom zur Erde treibt. Für die Einspeisung in eine Gebäudeinstallation muss die Quelle deshalb so betrieben werden, dass die vorhandenen Schutzmaßnahmen wirksam bleiben; das verlangt eine planerische Entscheidung und eine Prüfung, keine Improvisation am Ereignistag.

Viertens gehört zur Ersatzstromversorgung immer der Aufstellort. Verbrennungsmotoren dürfen niemals in geschlossenen Räumen, in Garagen oder in Kellern betrieben werden. Kohlenmonoxid ist geruchlos, und die tödliche Konzentration wird schneller erreicht, als es die Erfahrung nahelegt.

Schutzplan mit Prioritäten und Verantwortlichkeiten

Maßnahme Priorität Verantwortlich Voraussetzung Nachweis, dass sie wirkt
Funktionsliste mit Rangfolge erstellen vor allem anderen Eigentümer Kenntnis der Bewohner und Nutzungen schriftliche Liste mit Leistung und Dauer je Funktion
Netzunabhängige Beleuchtung an festen Plätzen hoch Eigentümer feste Ablageorte, geprüfte Batterien halbjährlicher Funktionstest, dokumentiert
Zugänglichkeit von Verteiler und Absperrungen hoch Eigentümer keine Möbel oder Lagerung davor Sichtkontrolle mit Datum
Beschriftung der Stromkreise und Übersichtsplan hoch Elektrofachkraft, Pflege durch Eigentümer aktuelle Stromkreisliste Plan an der Verteilertür, mit Aktualisierungsdatum
Notfallkontaktliste ohne Strom lesbar hoch Eigentümer Ausdruck an bekanntem Ort jährliche Kontrolle der Nummern
Versorgung für Personen mit medizinischem Bedarf höchste Eigentümer mit behandelndem Arzt Kenntnis der Gerätelaufzeit im Akkubetrieb dokumentierte Überbrückungsdauer
Sicherung von Kellergeschossen gegen Rückstau hoch Eigentümer, Ausführung Fachbetrieb Prüfung der Entwässerungssituation Funktionsprüfung der Rückstausicherung
Umschalteinrichtung für Ersatzstrom mittel bis hoch Elektrofachbetrieb Planung nach DIN VDE 0100-551 Beiblatt 1 Prüfprotokoll und Einweisung
Aufstellort für Stromerzeuger festlegen zwingend bei Erzeugerbetrieb Eigentümer Freifläche im Freien, Abgasführung geklärt dokumentierter Aufstellort im Plan
Kraftstoff- oder Energievorrat mittel Eigentümer zulässige Lagermenge und Lagerort Bestandsliste mit Prüfdatum
Vorrat an Getränken und Lebensmitteln mittel Eigentümer Empfehlung des Bevölkerungsschutzes als Maßstab Vorratsliste mit Haltbarkeitsdaten
Übung des Ablaufs mit allen Bewohnern mittel Eigentümer Plan liegt vor Datum der letzten Durchsprache
Rückkehrprozedur nach Netzwiederkehr mittel Eigentümer, Beratung Fachkraft Kenntnis der großen Verbraucher schriftliche Zuschaltreihenfolge

Zuständigkeiten sauber trennen

Ein Plan, in dem alles “der Eigentümer” macht, funktioniert im Ereignisfall nicht, weil der Eigentümer möglicherweise nicht da ist. Legen Sie deshalb für jede Maßnahme eine Person und eine Vertretung fest.

Im Mehrparteienhaus kommt eine zweite Trennlinie hinzu: die zwischen Sondereigentum und Gemeinschaftseigentum. Aufzug, Treppenhausbeleuchtung, Hebeanlage, Heizzentrale und der Hausanschlussraum liegen regelmäßig im Gemeinschaftseigentum und damit im Zuständigkeitsbereich der Verwaltung. Wer dort eigenmächtig eine Ersatzstromlösung installiert, greift in fremde Anlagen ein. Klären Sie vor jeder Maßnahme, wessen Anlage betroffen ist.

Eine dritte Trennlinie verläuft am Hausanschluss. Alles vor dem Zähler gehört zum Bereich des Netzbetreibers und ist plombiert. Störungen dort werden über den Störungsdienst gemeldet, nicht selbst behoben, und Arbeiten in diesem Bereich dürfen nur Installationsunternehmen ausführen, die in das Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragen sind.

Was der Plan nicht leisten kann

Zwei Erwartungen sollten Sie ausdrücklich ausschließen. Erstens ersetzt kein Notfallplan eine ordnungsgemäß errichtete und regelmäßig geprüfte elektrische Anlage. Wenn Schutzeinrichtungen unklar auslösen, Klemmstellen warm werden oder die Anlage seit Jahrzehnten unverändert ist, hilft Vorsorge für den Ausfall nicht gegen den Fehler.

Zweitens ersetzt kein Plan die fachliche Prüfung der Ersatzstromlösung. Ob eine Umschalteinrichtung richtig ausgewählt ist, ob die Schutzmaßnahmen im Ersatzbetrieb wirksam bleiben und ob die Belastung der Quelle zur angeschlossenen Last passt, sind Fragen, die vor der ersten Nutzung beantwortet und protokolliert sein müssen. Der Ereignistag ist der schlechteste denkbare Zeitpunkt für die erste Inbetriebnahme.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe — Stromausfall: Vorsorge und Selbsthilfe, Bürgerinformation, Stand Januar 2019
  2. DIN VDE 0100-551 Beiblatt 1 (VDE 0100-551 Beiblatt 1):2019-06 — Ausführungen von Notstromeinspeisungen mit mobilen Stromerzeugungseinrichtungen
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