Notfallplan für elektrische Haustechnik im Notfall handeln: Alarmieren, sichern und geordnet reagieren

Einen Notfallablauf mit klaren Stoppschildern. Im Mittelpunkt: Alarmierung, Evakuierung oder Bereichssicherung, Abschalten nur wenn gefahrlos, Rettungskräfte.

03Sicherheit

Das Wichtigste in Kürze

  • Alarmierung, Evakuierung oder Bereichssicherung, Abschalten nur wenn gefahrlos.
  • Der Beitrag liefert einen Notfallablauf mit klaren Stoppschildern.
  • Die Seite deckt ausschließlich sicheres Verhalten im Ereignisfall ab.

Die ersten drei Minuten entscheiden über den Rest

Im Ereignisfall gibt es keine Zeit für eine Analyse. Deshalb beginnt jeder brauchbare Ablauf mit einer einzigen Weichenstellung: Handelt es sich um einen reinen Ausfall der Versorgung oder um einen Fehler in der Anlage?

Das Unterscheidungsmerkmal ist einfach und in Sekunden feststellbar. Riecht, raucht, knistert oder wärmt etwas? Ist irgendwo ein Lichtbogen oder eine Verfärbung zu sehen? Dann liegt ein Fehler vor, und es gilt der Ablauf für die Gefahrensituation. Ist es nur dunkel und still, liegt ein Ausfall vor, und es gilt der Ablauf für die Versorgungsunterbrechung.

Diese Weiche steht am Anfang, weil die beiden Abläufe gegenläufig sind. Beim Fehler bringen Sie zuerst Menschen aus dem Bereich und rufen Hilfe. Beim Ausfall verschaffen Sie sich zuerst Licht und einen Überblick.

Ablauf bei Gefahr in der Anlage

Schritt eins: Personen aus dem betroffenen Bereich bringen und die Tür schließen. Bei Rauchentwicklung gilt das für die gesamte Etage.

Schritt zwei: Notruf 112. Nennen Sie ausdrücklich, dass es sich um ein elektrisches Ereignis handelt, und wo sich Zählerschrank und Hausanschluss befinden. Diese Angabe verkürzt den Einsatz erheblich.

Schritt drei: Abschalten nur dann, wenn es gefahrlos möglich ist. Gefahrlos bedeutet: Der Schalter ist erreichbar, ohne den gefährdeten Bereich zu betreten, es steht kein Wasser, es sind keine sichtbaren Beschädigungen an der Verteilung, und es ist kein Rauch im Raum. Trifft auch nur eine dieser Bedingungen nicht zu, wird nicht geschaltet. Die Feuerwehr kann die Anlage spannungsfrei setzen; ein Bewohner, der in einen verrauchten Raum zurückgeht, um einen Hauptschalter zu erreichen, gefährdet sich ohne Nutzen.

Schritt vier: Nicht mit Wasser löschen. Wenn ein geeigneter Feuerlöscher vorhanden ist und der Entstehungsbrand klein und der Fluchtweg frei ist, kann ein Löschversuch aus sicherer Entfernung sinnvoll sein. Feuerlöscher für den Einsatz an elektrischen Anlagen tragen dafür eine Angabe zur Prüfspannung und zum einzuhaltenden Mindestabstand, üblicherweise ein Meter bis 1000 Volt. Bleiben Sie im Zweifel draußen.

Schritt fünf: Nach dem Einsatz wird nichts wieder zugeschaltet, bevor eine Elektrofachkraft die Anlage geprüft hat. Auch dann nicht, wenn nur ein Schutzorgan gefallen ist und der Rest unbeschädigt aussieht.

Ablauf bei Ausfall der Versorgung

Schritt eins: Licht. Greifen Sie zu der Leuchte am festgelegten Platz, nicht zur Kerze. Offenes Feuer in einer unübersichtlichen Lage ist eine zusätzliche Gefahrenquelle.

Schritt zwei: Reichweite feststellen. Ist nur ein Stromkreis betroffen, ein Gebäudeteil oder die Umgebung? Ein Blick zu den Nachbarn und auf die Straßenbeleuchtung beantwortet das schneller als jeder Verteilerbesuch. Ist nur Ihr Gebäude betroffen, prüfen Sie im Verteiler, ob ein Schutzorgan ausgelöst hat. Ist die Umgebung ebenfalls dunkel, liegt eine Netzstörung vor, und Sie melden sie beim Störungsdienst des Netzbetreibers.

Schritt drei: Personen zählen. Ist jemand im Aufzug? Ist jemand auf technische Hilfsmittel angewiesen? Ist jemand allein in einem oberen Geschoss? Diese Frage kommt vor jeder technischen Handlung, weil sie den Notruf auslösen kann.

Schritt vier: Große Verbraucher abschalten. Herd, Backofen, Ladeeinrichtung, Wärmepumpe, Bügeleisen und Heizlüfter werden ausgeschaltet oder vom Netz genommen. Grund ist die Wiederkehr der Spannung: Wenn alle Verbraucher gleichzeitig anlaufen, entsteht eine Belastungsspitze, und ein unbeaufsichtigtes Heizgerät kann in einem inzwischen veränderten Raum brennen.

Schritt fünf: Substanz sichern. Bei Frostlage die Räume zusammenlegen und die Innentemperatur beobachten. Bei stillstehender Abwasserhebeanlage den Wasserverbrauch im Haus einstellen, damit nichts nachläuft, das nicht abgeführt werden kann.

Schritt sechs: Kommunikation sparen. Mobilgeräte in den Energiesparbetrieb, ein Gerät als aktives Kommunikationsmittel bestimmen, die übrigen ausschalten. Für das Lagebild nutzen Sie ein batteriebetriebenes Radio; das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt es in seiner Bürgerinformation zum Stromausfall genau deshalb, weil Mobilfunk und Internet nach einiger Zeit ebenfalls ausfallen.

Stoppschilder im Ablauf

Situation Stoppschild Begründung Richtige Handlung
Wasser im Bereich elektrischer Betriebsmittel nicht betreten, nicht schalten Stromweg über den Boden möglich Bereich absperren, Notruf, Netzbetreiber
Rauch oder Brandgeruch im Raum mit dem Verteiler nicht zum Hauptschalter gehen Rauchgasvergiftung binnen weniger Atemzüge Bereich verlassen, Tür schließen, Notruf
Schutzorgan ausgelöst, Ursache unbekannt nicht mehrfach zuschalten wiederholtes Zuschalten auf einen Fehler erzeugt Brandgefahr Verbraucher trennen, einmal versuchen, sonst Fachkraft
Person im Aufzug Tür nicht aufhebeln Absturzgefahr im Schacht Notruf, Sprechkontakt halten, Aufzugnotdienst
Stromerzeuger vorhanden nicht in Garage oder Keller betreiben Kohlenmonoxid ist geruchlos und tödlich Aufstellung im Freien, Abstand zu Öffnungen
Einspeisung improvisieren keine beidseitig bestückte Leitung verwenden Lebensgefahr für Personen am Netz nur geprüfte Umschalteinrichtung nutzen
Beschädigte Leitung oder freiliegender Leiter nicht berühren, nicht abdecken Berührungsspannung möglich Bereich sichern, Fachkraft oder Feuerwehr
Hausanschlusskasten, plombierter Bereich nicht öffnen Verantwortungsbereich des Netzbetreibers Störungsdienst anrufen
Photovoltaikanlage im Ereignisfall Gleichstromseite bleibt bei Tageslicht spannungsführend Abschalten des Wechselrichters genügt nicht Feuerwehr informieren, Freischaltkonzept bereithalten
Rückkehr der Spannung nicht alles gleichzeitig einschalten Belastungsspitze und unbeaufsichtigte Geräte gestuft zuschalten, Geräte kontrollieren

Wiederkehr der Spannung: der unterschätzte Moment

Der Ausfall endet nicht mit dem Licht, sondern mit einer geordneten Rückkehr. Gehen Sie gestuft vor. Zuerst kontrollieren Sie, ob die Verteilung unauffällig ist. Dann schalten Sie Beleuchtung und kleine Verbraucher zu. Danach folgen Kühl- und Gefriergeräte, danach die Wärmeversorgung, zuletzt die großen Verbraucher wie Ladeeinrichtung und Wärmepumpe. Zwischen den Stufen liegt jeweils eine kurze Beobachtungspause.

Kontrollieren Sie anschließend die Anlagen, die eigenständig neu starten: Heizungsregelung mit Uhrzeit und Programm, Wechselrichter, Hebeanlage, Alarmtechnik, Türsprechanlage, Netzwerktechnik. Lesen Sie die Fehlerspeicher aus, solange die Ereignisse noch darin stehen; viele Geräte überschreiben ihre Einträge innerhalb weniger Tage.

Prüfen Sie zuletzt die Statusanzeigen der Überspannungs-Schutzeinrichtungen. Ein Modul, das während des Ereignisses angesprochen und sich thermisch abgetrennt hat, wird sonst monatelang nicht bemerkt.

Nachbereitung und die Grenze zur Fachkraft

Halten Sie unmittelbar nach dem Ereignis fest: Zeitpunkt und Dauer, welche Bereiche betroffen waren, welche Schutzorgane ausgelöst haben, welche Geräte danach nicht mehr funktionierten, und was am Ablauf nicht geklappt hat. Der letzte Punkt ist der wertvollste, weil er in die nächste Fassung des Plans einfließt. Fast immer zeigt sich dasselbe Muster: Eine Leuchte lag nicht an ihrem Platz, eine Nummer war veraltet, oder niemand wusste, wo die Notentriegelung des Tores sitzt.

Die Grenze zur Fachkraft verläuft unverändert an der Verteilerabdeckung. Jede Prüfung der Anlage nach einem Ereignis, jede Messung und jede Instandsetzung sind nach DIN VDE 0105-100 Arbeiten an der elektrischen Anlage. Beauftragen Sie diese Prüfung immer dann, wenn ein Schutzorgan ohne erklärbaren Verursacher ausgelöst hat, wenn Betriebsmittel Wärme oder Geruch entwickelt haben, wenn Wasser im Spiel war oder wenn die Feuerwehr im Einsatz war. Bis dahin bleibt der betroffene Bereich abgeschaltet.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe — Stromausfall: Vorsorge und Selbsthilfe, Bürgerinformation, Stand Januar 2019
  2. DIN VDE 0105-100 (VDE 0105-100):2015-10 — Betrieb von elektrischen Anlagen
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