Dimensionierung der Wasserleitungen planen: Anforderungen, Schutz und Reserven festlegen

Eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot. Im Mittelpunkt: Nutzung, technische Anforderungen, Gefährdungen, Schutzmaßnahmen.

03Trinkwasser

Das Wichtigste in Kürze

  • Nutzung, technische Anforderungen, Gefährdungen.
  • Der Beitrag liefert eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot.
  • Die Seite beantwortet ausschließlich die sichere Systemplanung.

Größer ist in der Trinkwasserinstallation nicht sicherer

Bei Heizungs- und Elektroplanung ist eine großzügige Auslegung meist unproblematisch. In der Trinkwasserinstallation ist sie ein Fehler mit gesundheitlicher Konsequenz. Jeder zusätzliche Millimeter Innendurchmesser vergrößert den Wasserinhalt der Leitung, verlängert die Verweilzeit des Wassers und senkt die Fließgeschwindigkeit. Genau diese drei Größen bestimmen, ob sich Biofilm bildet, ob Kaltwasser sich auf der Strecke erwärmt und wie lange es dauert, bis nach dem Öffnen des Hahns frisches Wasser ansteht.

Der Planungsgrundsatz lautet daher: so klein wie möglich, so groß wie nötig. Er ist keine Sparmaßnahme, sondern eine Anforderung an die Trinkwassergüte. Die Trinkwasserverordnung verlangt, dass Trinkwasser am Zapfhahn den Anforderungen entspricht — und eine überdimensionierte Leitung ist eine der häufigsten baulichen Ursachen dafür, dass es das nicht tut.

Welche Eingangsgrößen die Berechnung überhaupt möglich machen

Ohne fünf Angaben ist keine Dimensionierung belastbar. Erstens der Versorgungsdruck am Übergabepunkt, den das Wasserversorgungsunternehmen auf Anfrage schriftlich mitteilt — nicht der Momentanwert an einem Manometer, sondern der zugesicherte Mindestdruck. Zweitens die geodätische Höhe zwischen Übergabepunkt und der höchstgelegenen Entnahmestelle; je zehn Meter Höhenunterschied gehen etwa ein Bar verloren. Drittens die vollständige Liste der Entnahmestellen mit Art und Anschlusswert. Viertens die Druckverluste der eingebauten Apparate: Wasserzähler, Filter, Druckminderer, Enthärtungsanlage, Trinkwassererwärmer. Fünftens die Trassenlängen mit Anzahl und Art der Formstücke.

Fehlt eine dieser Größen, wird sie geschätzt, und die Schätzung landet regelmäßig auf der sicheren Seite — also bei der größeren Nennweite. Wer die Angaben liefert, verhindert genau das. Fordern Sie den zugesicherten Versorgungsdruck deshalb selbst beim Versorger an und legen Sie ihn allen Anbietern vor.

Zwei Berechnungswege und ihre Anwendungsgrenzen

Für Standardfälle erlaubt DIN EN 806-3 ein vereinfachtes Tabellenverfahren, das mit Belastungswerten arbeitet und ohne detaillierte Druckverlustrechnung auskommt. Es ist an Randbedingungen gebunden: übliche Wohngebäude, begrenzte Rohrlängen, keine Druckerhöhungsanlage, keine Löschwasserentnahme, keine Sonderarmaturen mit hohem Bedarf.

Sobald eine dieser Bedingungen verletzt ist, gilt das differenzierte Verfahren nach DIN 1988-300. Es ermittelt aus den Summendurchflüssen der Entnahmestellen über eine Gleichzeitigkeitsbetrachtung den Berechnungsdurchfluss für jeden Leitungsabschnitt und bilanziert anschließend den Druck vom Übergabepunkt bis zur ungünstigsten Entnahmestelle. Für Mehrfamilienhäuser, verzweigte Netze, Anlagen mit Aufbereitung und alle Fälle mit knappem Versorgungsdruck ist dieses Verfahren der richtige Weg. Lassen Sie sich im Angebot benennen, welches Verfahren angewendet wurde.

Berechnungsdurchflüsse als Grundlage der Auslegung

Die folgenden Werte nach DIN 1988-300 sind die Bezugsgrößen, mit denen jede Berechnung beginnt. Sie beschreiben nicht den tatsächlichen Verbrauch, sondern den Durchfluss, den eine Entnahmestelle im Bemessungsfall abrufen können muss.

Entnahmestelle Berechnungsdurchfluss in Liter je Sekunde Anmerkung zur Auslegung
Waschtischarmatur 0,07 Kalt und warm getrennt anzusetzen
Spülbecken Küche 0,07 zusätzlich Geschirrspüler berücksichtigen
Geschirrspüler im Haushalt 0,07 eigener Anschluss, meist nur kalt
Duscharmatur 0,15 Regenduschen können deutlich mehr verlangen
Badewannenarmatur 0,15 bestimmt oft die Füllzeit im Alltag
WC mit Spülkasten 0,13 kein nennenswerter Gleichzeitigkeitsbeitrag
WC mit Druckspüler 1,0 verlangt eigenen Anschluss und erhöhten Fließdruck
Waschmaschine im Haushalt 0,25 häufig unterschätzter Einzelwert
Auslaufventil DN 15 0,30 Gartenanschluss, Absicherung nach DIN EN 1717 beachten
Auslaufventil DN 20 0,50 nur wo tatsächlich benötigt

An der ungünstigsten Entnahmestelle muss im Bemessungsfall ein Mindestfließdruck von 1,0 bar zur Verfügung stehen; Druckspüler, bestimmte Thermostatarmaturen und Durchlauferhitzer verlangen mehr. Für die Fließgeschwindigkeit gilt nach DIN 1988-300 eine Obergrenze von 2 Metern je Sekunde bei Betriebsdauern über 15 Minuten und von 5 Metern je Sekunde im Kurzzeitbetrieb. Wer diese Grenzen kennt, erkennt sofort, ob ein Angebot mit pauschalen Nennweiten arbeitet.

Gefährdungen, die aus der Dimensionierung entstehen

Die erste Gefährdung ist Stagnation. Eine zu groß bemessene Stichleitung zu einem selten genutzten Gäste-WC hält ihren Inhalt tagelang. Die zweite ist die Erwärmung des Kaltwassers: Je langsamer das Wasser fließt und je länger es in einem warmen Schacht steht, desto eher überschreitet es die Grenze von 25 Grad Celsius, die DIN 1988-200 für Trinkwasser kalt nennt. Die dritte ist die Auskühlung des Warmwassers in überdimensionierten Verteilleitungen, die zu längeren Ausstoßzeiten und damit zu Wasser- und Energieverlusten führt.

Die Gegenmaßnahmen sind sämtlich Planungsentscheidungen. Kurze Stichleitungen mit kleinstmöglichem Inhalt, Reihen- oder Ringleitungen statt langer Einzelzuleitungen, die Anordnung der am häufigsten genutzten Entnahmestelle am Ende einer Reihe, getrennte Führung von Kalt- und Warmwasser sowie die Vermeidung warmer Schächte für kaltgehende Leitungen. Nachträglich lassen sich diese Punkte nur mit erheblichem Aufwand korrigieren.

Reserven, die hygienisch vertretbar sind

Erweiterbarkeit darf nicht über Nennweiten erkauft werden. Vertretbar sind bauliche Reserven: ein leeres Schutzrohr zur künftigen Dachgeschosswohnung, ausreichend Platz vor dem Verteiler, eine Trasse mit Luft für zusätzliche Leitungen, eine Wandnische für spätere Aufbereitung, vorgesehene Absperr- und Trennstellen. Wird später tatsächlich erweitert, wird neu berechnet — nicht auf eine alte Reserve zurückgegriffen.

Wenn absehbar ist, dass in wenigen Jahren ein Dachgeschoss ausgebaut wird, hat das dennoch Einfluss auf die heutige Planung: Die Steigleitung kann für den Endzustand bemessen werden, wenn zugleich sichergestellt ist, dass die Zwischenzeit nicht zu Stagnation führt. Diese Abwägung gehört ausdrücklich in die Planungsunterlage und muss begründet sein.

Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot

  • Der zugesicherte Mindestversorgungsdruck des Wasserversorgers liegt schriftlich vor und ist in der Berechnung verwendet.
  • Das angewendete Berechnungsverfahren ist benannt, und seine Anwendungsvoraussetzungen sind erfüllt.
  • Für jeden Leitungsabschnitt sind Nennweite, Berechnungsdurchfluss und Fließgeschwindigkeit dokumentiert.
  • Die Druckbilanz bis zur ungünstigsten Entnahmestelle ist nachvollziehbar aufgestellt, einschließlich der Verluste an Zähler, Filter, Druckminderer und Erwärmer.
  • Der Leitungsinhalt jeder Stichleitung ist ausgewiesen; für Warmwasser ist die 3-Liter-Grenze zwischen Erwärmer und Entnahmestelle eingehalten oder ihre Überschreitung begründet.
  • Kalt- und Warmwasserleitungen sind getrennt geführt; kaltgehende Leitungen liegen nicht in warmen Schächten.
  • Die Installationsart je Bereich ist festgelegt: Einzelzuleitung, Reihenleitung, Ringleitung oder Verteilersystem.
  • Selten genutzte Entnahmestellen sind identifiziert, und für sie ist eine Lösung zum Wasseraustausch vorgesehen.
  • Erweiterungen sind baulich vorbereitet, ohne dass verschlossene Abzweige entstehen.

Was Sie beisteuern können und wo Schluss ist

Sie können den Versorgungsdruck anfragen, alle Entnahmestellen erfassen, Nutzungshäufigkeiten realistisch beschreiben, Höhen und Trassenlängen aufmessen und die vorhandenen Apparate mit Typenschild dokumentieren. Diese Vorarbeit ist wertvoll, weil sie Annahmen durch Angaben ersetzt.

Die Berechnung selbst können Sie nicht führen. Sie verlangt normgebundene Gleichzeitigkeitsansätze, Druckverlustbeiwerte für Formstücke und Apparate sowie eine belastbare Bewertung der Randbedingungen. Ebenso wenig können Sie beurteilen, ob eine bestehende Anlage hydraulisch noch trägt, wenn ein Bad ergänzt wird. Und für die Ausführung gilt ohne Ausnahme: Arbeiten an der Kundenanlage sind nach § 12 der Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser dem Versorgungsunternehmen oder einem in dessen Installateurverzeichnis eingetragenen Betrieb vorbehalten.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Trinkwasserverordnung – aktueller Gesetzestext
  2. Umweltbundesamt – Trinkwasser
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