Rückstauschutz planen: Standort, Nutzung, Maße und Entwässerung klären

Eine Standort- und Planungsmatrix. Im Mittelpunkt: Standort, Boden, Gefälle, Nutzung.

06Starkregen

Das Wichtigste in Kürze

  • Standort, Boden, Gefälle.
  • Der Beitrag liefert eine Standort- und Planungsmatrix.
  • Die Seite beantwortet ausschließlich die Planung vor Erd- oder Bauarbeiten.

Rückstauschutz entscheidet sich lange vor dem ersten Spatenstich. Wer erst beim Ausheben der Leitungsgräben überlegt, wo ein Verschluss, eine Hebeanlage oder ein Kontrollschacht liegen soll, verschenkt Gefälle und macht die spätere Wartung unnötig mühsam. Am Anfang stehen zwei Höhen: die Rückstauebene an Ihrem Anschlusspunkt und die Höhen sämtlicher Abläufe, die darunter liegen. Aus dem Vergleich dieser beiden Werte ergeben sich Bauart, Einbauort und Leitungsführung fast zwangsläufig, alles Weitere ist Detailarbeit.

Die Rückstauebene ist die Bezugshöhe, nicht der Kellerboden

Rückstau entsteht, wenn der öffentliche Kanal bei Starkregen mehr Wasser führt, als er abführen kann, und der Wasserspiegel darin ansteigt. Die Höhe, bis zu der dieser Anstieg angenommen wird, heißt Rückstauebene. Festgelegt wird sie üblicherweise von der Kommune in der Entwässerungssatzung; verbreitet ist der Bezug auf die Straßenoberkante an der Anschlussstelle. Verbindlich ist immer nur die örtliche Regelung, und die sollten Sie sich vor allen weiteren Überlegungen schriftlich vom Entwässerungsbetrieb oder vom Tiefbauamt geben lassen. Nehmen Sie anschließend die Höhen auf Ihrem Grundstück auf. Schlauchwaage, optisches Nivelliergerät oder Rotationslaser reichen dafür aus, sofern Sie einen dauerhaft auffindbaren Bezugspunkt wählen und ihn im Aufmaß festhalten. Entscheidend ist nicht die absolute Zahl, sondern der Höhenunterschied zwischen Rückstauebene und jedem einzelnen Ablauf.

Welche Abläufe im Freien und im Untergeschoss überhaupt betroffen sind

Erfassen Sie jeden Punkt, an dem Wasser in die Grundleitung eintritt und der tiefer als die Rückstauebene liegt. Dazu zählen Bodenabläufe im Keller, Waschküche und Kellerbad, Rinnen vor der Kellertreppe, Hofabläufe, Einfahrtsrinnen an Garagen und Tiefgaragen, Lichtschächte mit Kanalanschluss sowie Notüberläufe von Sickeranlagen oder Zisternen, die in den Kanal führen. Notieren Sie zu jedem Punkt, ob dort ausschließlich Regen- und Waschwasser anfällt oder auch fäkalienhaltiges Abwasser, denn davon hängt die zulässige Bauart ab. Klären Sie außerdem, ob Ihr Grundstück im Misch- oder im Trennsystem entwässert: Im Mischsystem kann derselbe Kanal aus beiden Richtungen zurückdrücken, im Trennsystem müssen Regen- und Schmutzwasserleitung getrennt betrachtet werden. Die einschlägigen Regelwerke knüpfen den Einsatz eines einfachen Rückstauverschlusses an mehrere Bedingungen gleichzeitig, unter anderem an eine nur untergeordnete Nutzung der betroffenen Räume, ein vorhandenes Gefälle zum Kanal und einen überschaubaren Benutzerkreis. Sobald ein Raum wesentlich genutzt wird, führt der Weg üblicherweise zu einer Hebeanlage mit Schleife über die Rückstauebene.

Boden, Grundwasser und Frostlage am geplanten Einbauort

Der Untergrund bestimmt, wie aufwendig der Einbau wird und wie stabil die Lage über Jahre bleibt. Bindige Böden halten Sickerwasser lange im Graben, sandig-kiesige Böden leiten es ab, neigen aber zu Nachsacken bei schlechter Verdichtung. Liegt ein Bodengutachten oder ein Bohrprofil vom Hausbau vor, ist das die verlässlichste Grundlage; andernfalls hilft eine Schürfgrube an einer unkritischen Stelle. Prüfen Sie, ob mit hohem Grundwasserstand zu rechnen ist, denn dann brauchen Schächte eine Auftriebssicherung und dichte Durchführungen. Die örtlich anzusetzende Frosttiefe erfragen Sie bei der Kommune oder beim ausführenden Betrieb, statt sie zu schätzen. Achten Sie zusätzlich auf Bereiche, die beim Hausbau verfüllt wurden: Dort sind Setzungen wahrscheinlich, und eine Leitung kann später in Gegengefälle geraten.

Standort- und Planungsmatrix für den Einbauort

Ordnen Sie die möglichen Einbauorte nebeneinander, bevor Sie sich auf einen festlegen. Jede Zeile der folgenden Übersicht verlangt einen Nachweis aus Ihrer eigenen Aufnahme: eine Höhe, ein Maß oder eine Nutzungsangabe. Wo dieser Nachweis fehlt, ist die Variante noch nicht entschieden, sondern nur vermutet.

Einbauort Spricht dafür Spricht dagegen Das muss die Planung belegen
Innen an der Kellerwand, direkt hinter der Durchführung frostfrei, trocken, jederzeit zugänglich, kurze Wege Platzbedarf im Raum, Geruch bei Fehlbedienung freier Arbeitsraum, Zustand der Grundleitung dahinter
Kontrollschacht im Freien vor dem Gebäude schützt auch die Leitung unter dem Haus, gute Zugänglichkeit von oben Frost, Sandeintrag, Deckel muss dauerhaft frei bleiben Frostlage, Auftrieb, befahrbare oder begehbare Deckelklasse
Am einzelnen Ablauf, etwa Bodenablauf mit integriertem Verschluss geringer Eingriff, nachrüstbar schützt nur diesen Punkt, alle anderen bleiben offen vollständige Liste der übrigen Einläufe
Hebeanlage im frostfreien Innenraum unabhängig vom Kanalwasserstand, für wesentlich genutzte Räume geeignet Strombedarf, Wartung, Betriebsgeräusch Stromkreis, Aufstellfläche, Zulauf- und Druckleitungsführung
Rückstauklappe am Hofablauf im Freien einfacher Schutz für Oberflächenwasser Laub und Sand blockieren, Kontrolle nach jedem Ereignis nötig Pflegeintervall, Zugang, Zulaufflächen

Drei Planungsfehler wiederholen sich auffällig häufig. Erstens wird nur der auffälligste Ablauf betrachtet, während ein zweiter, vergessener Einlauf den Schutz später aushebelt. Zweitens landet der Einbauort dort, wo gerade Platz ist, statt dort, wo das Gefälle es hergibt. Drittens wird die Nutzung der Räume so eingeschätzt, wie sie heute aussieht, obwohl der Ausbau des Untergeschosses bereits beschlossen ist.

Leitungswege, Gefälle und die Trennung der Stränge

Planen Sie die Leitungsführung so kurz und geradlinig wie möglich, mit stetigem Gefälle und Richtungsänderungen über Bögen statt scharfer Winkel. Jede Ecke, die nicht gereinigt werden kann, wird irgendwann zum Problem. Sinnvoll ist außerdem, fäkalienfreie Leitungen getrennt zu führen, damit nicht die gesamte Hausentwässerung über eine Hebeanlage laufen muss; das senkt Betriebsaufwand und Ausfallrisiko. Legen Sie fest, wo Reinigungsöffnungen und ein Kontrollschacht am Übergang zum öffentlichen Netz sitzen, und halten Sie diese Punkte im Plan mit Maßen zu zwei festen Gebäudekanten fest. Nur so finden Sie die Bauteile später wieder, ohne den halben Garten aufzunehmen.

Zugang, Bepflanzung und Wartungsfreiheit vorausdenken

Ein Rückstauschutz ist ein wartungsbedürftiges Bauteil, kein Einbau für die Ewigkeit. Deckel und Revisionsöffnungen müssen dauerhaft erreichbar bleiben, also nicht unter Terrassenbelägen, Hochbeeten oder dichten Gehölzpflanzungen verschwinden. Halten Sie beim Pflanzplan Abstand zu Leitungstrassen und Schächten, besonders bei Arten mit kräftigem, flach streichendem Wurzelwerk. Denken Sie an Arbeitsraum vor dem Gerät, an Licht im Kellerraum und, falls eine motorische Klappe oder eine Hebeanlage vorgesehen ist, an eine dauerhaft verfügbare Stromversorgung samt Störmeldung an einen Ort, an dem sie auch gehört wird. Überlegen Sie schon jetzt, wer die wiederkehrende Wartung übernimmt und wo die Unterlagen dazu abgelegt werden.

Wo Ihre eigene Planung endet

Sie können Höhen aufnehmen, Abläufe kartieren, Nutzungen zuordnen und die Satzung beschaffen. Die Bemessung einer Hebeanlage, die Festlegung der zulässigen Bauart, der Anschluss an die Grundleitung sowie alle Arbeiten am Hausanschluss gehören dagegen in die Hände eines Fachbetriebs für Sanitär- und Tiefbau. Der elektrische Anschluss ist Sache einer Elektrofachkraft. Ob eine Anzeige oder Genehmigung nötig ist, entscheidet der Netzbetreiber beziehungsweise die Kommune, nicht die Bauanleitung des Herstellers. Klären Sie diese Punkte, bevor Erdarbeiten beauftragt werden, denn nachträgliche Korrekturen an Höhenlage und Bauart sind der teuerste Teil des gesamten Vorhabens.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Bundesnaturschutzgesetz – aktueller Gesetzestext
  2. Wasserhaushaltsgesetz – aktueller Gesetzestext
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