Kellerabgang bei Starkregen am Bestand prüfen: Schäden, Gefälle und Entwässerung erfassen

Ein Schadens- und Bestandsprotokoll mit Prioritäten. Im Mittelpunkt: Risse, Setzungen, Frostschäden, Wasserwege.

06Starkregen

Das Wichtigste in Kürze

  • Risse, Setzungen, Frostschäden.
  • Der Beitrag liefert ein Schadens- und Bestandsprotokoll mit Prioritäten.
  • Die Seite beginnt bei einer vorhandenen Außenanlage und endet mit einem Befund.

Ein vorhandener Kellerabgang verrät bei genauer Betrachtung sehr viel darüber, wie er sich beim nächsten kräftigen Gewitterregen verhalten wird. Ablagerungsränder, ausgewaschene Fugen, ein abgesackter Plattenbelag oder ein Ablauf, der nur zögerlich schluckt, sind lesbare Hinweise. Die Bestandsaufnahme braucht keine Spezialgeräte, sondern eine geordnete Reihenfolge und die Bereitschaft, Beobachtungen sofort zu notieren statt sie zu erinnern. Ziel der folgenden Schritte ist ein schriftlicher Befund mit Prioritäten, auf dessen Grundlage Sie entscheiden können, was selbst erledigt wird, was ein Betrieb übernimmt und was zuerst an die Reihe kommt.

Unterlagen und Ausrüstung vor der Begehung

Legen Sie zusammen, was über das Bauwerk vorhanden ist: Grundrisse oder Schnitte des Kellers, Angaben zur Entwässerung, frühere Rechnungen über Reparaturen, Fotos von vergangenen Überflutungen. Notieren Sie außerdem, wann der Abgang zuletzt Wasser geführt hat und wie hoch es stand.

An Ausrüstung genügen ein Zollstock oder Bandmaß, eine kurze und eine längere Wasserwaage, ein Gießkannenvolumen Wasser, eine kräftige Taschenlampe, ein Spiegel für verdeckte Bereiche, Kamera und Notizblock. Ein Rissmaßstab hilft, Rissbreiten vergleichbar anzugeben. Sichern Sie den Bereich, bevor Sie Roste abheben, und arbeiten Sie nicht allein, wenn Sie über einen offenen Schacht gebeugt hantieren.

Schritt für Schritt: Wasserwege am Bauwerk nachvollziehen

  1. Stellen Sie sich mit Blick auf den Abgang an die höchste Stelle des Umfelds und verfolgen Sie, wohin Wasser von dort abfließen würde. Halten Sie die Richtung als Pfeil in einer Skizze fest.
  2. Suchen Sie die Oberkante des Abgangs nach Eintragsstellen ab: fehlende Aufkantung, abgesenkte Randsteine, ausgefahrene Rasenkanten, ein Gefälle der Hoffläche zum Gebäude hin.
  3. Prüfen Sie, wohin die Fallrohre in der Nähe entwässern und ob deren Anschluss frei zugänglich ist. Ein Fallrohr, das oberhalb des Abgangs endet oder undicht ist, erklärt viele Feuchteschäden.
  4. Lesen Sie Spuren im Abgang selbst: waagerechte Schmutzränder an den Wänden, Sandfahnen vor dem Ablauf, Laubnester in Ecken, aufgeschwemmte Fugenmasse. Fotografieren Sie jede Spur mit einem Maßstab im Bild.
  5. Wiederholen Sie die Begehung möglichst einmal während eines kräftigen Regens. Das Verhalten unter Belastung liefert Erkenntnisse, die eine trockene Besichtigung nicht ersetzt.

Höhen und Gefälle mit einfachen Mitteln aufnehmen

Legen Sie die lange Wasserwaage auf den Belag der angrenzenden Fläche, ausgehend von der Gebäudewand nach außen. Fällt die Fläche zum Gebäude hin ab, notieren Sie das als eigenständigen Mangel. Wiederholen Sie die Messung an mehreren Stellen, weil Setzungen örtlich begrenzt auftreten.

Messen Sie anschließend die Höhenlage der Türschwelle über dem tiefsten Punkt des Abgangs sowie die Höhe der Aufkantung an der Oberkante. Aus beiden Werten ergibt sich, wie viel Wasser der Abgang aufnehmen kann, bevor es an der Tür ansteht. Prüfen Sie im Abgang selbst, ob der Belag zum Ablauf hin fällt oder ob sich nach dem Aufgießen von Wasser Pfützen abseits des Ablaufs halten. Markieren Sie solche Stellen und halten Sie ihre Lage im Plan fest.

Risse, Setzungen und Frostschäden ansprechen

Gehen Sie die Wände, Wangen und Stufen systematisch von unten nach oben ab. Unterscheiden Sie dabei drei Bilder: feine, netzartige Haarrisse in der Oberfläche, gerichtete Risse, die durch mehrere Bauteile durchlaufen, und Versätze, bei denen zwei Bauteilkanten nicht mehr fluchten. Der erste Typ betrifft meist die Oberfläche, die beiden anderen deuten auf Bewegung im Untergrund hin und gehören dokumentiert und beobachtet.

Frostschäden zeigen sich als Abplatzungen an Stufenkanten, als Absanden von Putz oder als aufgeblätterte Beschichtung, häufig dort, wo Wasser dauerhaft steht. Ausgespülte Fugen und ein hohler Klang beim Abklopfen von Belagsplatten weisen auf Hohllagen hin. Fotografieren Sie jede Fundstelle und nummerieren Sie sie fortlaufend.

Entwässerung und Anschlüsse funktionsnah prüfen

Heben Sie den Rost ab und räumen Sie den Schlammfang aus, bevor Sie prüfen. Gießen Sie danach zügig eine bekannte Wassermenge auf und beobachten Sie, ob sie ohne Aufstauen abläuft. Ein zögerliches Schlucken, gurgelnde Geräusche oder aufsteigender Geruch sind Hinweise auf eine Einschränkung weiter hinten in der Leitung.

Kontrollieren Sie außerdem, ob ein Rückstauverschluss vorhanden ist, ob er zugänglich bleibt und ob er sichtbar gewartet wurde. Ist eine Pumpe eingebaut, notieren Sie Typ, Alter und wann sie zuletzt geprüft wurde, ohne selbst am Elektroanschluss zu arbeiten. Am Übergang zur Kellerwand prüfen Sie, ob die Abdichtung sichtbar hochgeführt ist, ob der Anschluss der Tür dicht schließt und ob Feuchtespuren innen an der Wand auftreten.

Bestands- und Schadensprotokoll mit Prioritäten

Nr. Befund Beobachtete Wirkung Priorität Nächster Schritt
1 Ablauf staut bei Wasserprobe auf Wasser steht bis Stufenmitte hoch Leitung durch Fachbetrieb prüfen lassen
2 Hoffläche fällt zum Abgang Zulauf bei jedem Starkregen hoch Gefälle ändern oder Aufkantung ergänzen
3 Schwelle nur knapp über Tiefpunkt geringe Reserve bis Wassereintritt hoch Rückhaltevolumen und Ableitung bewerten lassen
4 Durchlaufender Riss mit Versatz Bewegung im Untergrund möglich hoch Fachkundige Beurteilung, Rissbeobachtung
5 Rückstauverschluss nicht auffindbar Rückstaurisiko unklar mittel Bestand klären, Nachrüstung prüfen
6 Fugen ausgespült, Platten hohl Unterspülung des Belags mittel Belag abschnittsweise erneuern
7 Kantenabplatzungen an Stufen Stolperstelle, Frostschaden mittel Instandsetzung einplanen
8 Laubeintrag durch Baum darüber Ablauf setzt sich zu niedrig Reinigungsrhythmus anpassen
9 Korrosion am Geländerfuß Standsicherheit langfristig niedrig Oberflächenschutz erneuern

Ordnen Sie hoch ein, was Wasser ins Gebäude bringt oder die Standsicherheit betrifft. Mittel sind Befunde, die sich absehbar verschlechtern. Niedrig bleibt, was Aufwand verursacht, aber kein Schadensrisiko trägt.

Abbruchkriterien für die eigene Prüfung

Beenden Sie die Aufnahme und holen Sie Fachleute hinzu, sobald sich Risse mit Versatz zeigen, sich Bauteile bewegen lassen, im Keller Feuchte an der Wandinnenseite auftritt, der Ablauf trotz gereinigtem Fangraum aufstaut oder Abwasser austritt. Gleiches gilt für alles rund um den Stromanschluss einer Pumpe, für Eingriffe in die Abdichtung und für Arbeiten an Bäumen über dem Abgang. Steigen Sie nicht in einen teilweise verfüllten oder unterspülten Bereich.

Vom Protokoll zum verwertbaren Befund

Fassen Sie die nummerierten Fundstellen, die Höhenangaben, die Skizze mit den Fließrichtungen und die Fotos in einem Dokument zusammen. Formulieren Sie am Ende zwei bis drei Sätze, die den Zustand zusammenfassen und die dringlichste Frage benennen. Genau dieses Dokument geben Sie an Planung oder Betrieb weiter. Es ersetzt keine Untersuchung, sorgt aber dafür, dass die Ortsbesichtigung eines Fachbetriebs mit belastbaren Beobachtungen beginnt statt mit Vermutungen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Bundesnaturschutzgesetz – aktueller Gesetzestext
  2. Wasserhaushaltsgesetz – aktueller Gesetzestext
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