Witterungsbereinigung des Heizverbrauchs berechnen: Eingaben, Formel und Ergebnis richtig einordnen

Eine vollständig nachvollziehbare Musterrechnung. Im Mittelpunkt: Eingangsdaten, Rechenweg, Einheiten, Vergleichswerte.

01Energieausweis

Das Wichtigste in Kürze

  • Eingangsdaten, Rechenweg, Einheiten.
  • Der Beitrag liefert eine vollständig nachvollziehbare Musterrechnung.
  • Die Seite behandelt nur Berechnung und Interpretation des Ergebnisses.

Eingangsdaten, die vor der ersten Rechenzeile vorliegen müssen

Fünf Angaben tragen die gesamte Rechnung, und jede davon stammt aus einer anderen Quelle. Erstens die Verbrauchsmenge des Zeitraums, entnommen aus der Jahresrechnung des Versorgers, dem Zählerstandsprotokoll oder bei Öl und Pellets aus Lieferscheinen zuzüglich einer Bestandsaufnahme im Lager. Zweitens die exakten Kalendergrenzen dieses Zeitraums, taggenau und nicht als Jahreszahl. Drittens der Anteil, der auf die Warmwasserbereitung entfällt, falls dieselbe Anlage beides erzeugt. Viertens der Umrechnungsfaktor für Ihren Postleitzahlbereich und genau diesen Zeitraum, abgeleitet aus den Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes. Fünftens eine Bezugsfläche, wenn Sie am Ende einen flächenbezogenen Kennwert bilden wollen. Fehlt eine dieser Größen, führen Sie die Rechnung nicht mit einer Schätzung fort, sondern besorgen die Angabe nach.

Rechenweg in vier Schritten mit durchgehender Einheitenkontrolle

Schritt eins vereinheitlicht die Einheit: Die Verbrauchsmenge wird in Kilowattstunden gebracht. Bei Erdgas liefert die Abrechnung die Umrechnung aus Kubikmetern über Zustandszahl und Brennwert bereits mit; bei Heizöl und Pellets nehmen Sie den Heizwert aus Lieferschein oder Produktdatenblatt und rechnen die gelieferte Menge um. Fernwärme und Wärmemengenzähler geben Kilowattstunden direkt aus. Schritt zwei trennt den Heizanteil ab, indem der Warmwasserbetrag von der Gesamtmenge abgezogen wird. Schritt drei multipliziert allein diesen Heizanteil mit dem Umrechnungsfaktor; da der Faktor dimensionslos ist, bleibt die Einheit unverändert. Schritt vier setzt den Warmwasserbetrag unverändert wieder hinzu, sofern Sie einen Gesamtwert brauchen. Wer statt eines fertigen Faktors mit Gradtagzahlen arbeitet, bildet an derselben Stelle den Quotienten aus der Gradtagzahl des langjährigen Bezugs und der Gradtagzahl des Abrechnungszeitraums und multipliziert damit.

Musterrechnung für ein Einfamilienhaus mit Gasheizung

Alle folgenden Zahlen sind angenommene Beispielwerte und durch Ihre eigenen zu ersetzen.

Position Wert Herkunft
Abrechnungszeitraum 1. Juli bis 30. Juni Jahresrechnung
Gesamtverbrauch Gas 24.800 kWh Jahresrechnung
davon Warmwasser 3.400 kWh getrennte Ausweisung
Heizanteil 21.400 kWh Differenz
Umrechnungsfaktor 1,07 Klimadaten für Postleitzahl und Zeitraum
Heizanteil bereinigt 22.898 kWh 21.400 mal 1,07
Gesamt bereinigt 26.298 kWh 22.898 plus 3.400
Bezugsfläche 148 Quadratmeter durchgehend gleiche Flächendefinition
Kennwert rund 178 kWh je Quadratmeter und Jahr 26.298 geteilt durch 148

Die Differenz aus Gesamtverbrauch und Warmwasser ergibt 21.400 Kilowattstunden. Diese Zahl, nicht die 24.800, geht in die Multiplikation. Ein Faktor über eins bedeutet, dass der Zeitraum am Standort wärmer war als das Bezugsklima; die Rechnung hebt den gemessenen Verbrauch deshalb an, weil das Gebäude unter Bezugsbedingungen mehr gebraucht hätte. Ein Faktor unter eins senkt ihn entsprechend. Wird derselbe Heizanteil ersatzweise mit einem Gradtagzahlquotienten von 3.640 zu 3.410 multipliziert, liegt das Zwischenergebnis bei rund 22.840 Kilowattstunden. Beide Wege bestehen aus derselben Multiplikation und unterscheiden sich nur in der Herkunft des Faktors.

Vom bereinigten Verbrauch zum flächenbezogenen Kennwert

Erst die Division durch eine Fläche macht Gebäude unterschiedlicher Größe vergleichbar. Der amtliche Verbrauchsausweis bezieht seinen Kennwert auf die Gebäudenutzfläche, die bei Wohngebäuden pauschal aus der Wohnfläche abgeleitet wird. Für eine eigene Auswertung ist die Wahl der Flächendefinition zweitrangig, solange Sie dieselbe Definition über alle verglichenen Jahre beibehalten und bei jedem Ergebnis dazuschreiben, welche Fläche Sie verwendet haben. Ein Kennwert aus Wohnfläche liegt rechnerisch höher als einer aus Nutzfläche, ohne dass sich am Gebäude irgendetwas geändert hätte. Notieren Sie außerdem, ob der Warmwasseranteil im Kennwert steckt, denn diese Entscheidung verschiebt das Ergebnis um einen zweistelligen Prozentbetrag.

Mengenermittlung bei Heizöl und Holzpellets

Bei leitungsgebundenen Energieträgern gibt der Zähler den Verbrauch direkt her, bei bevorratbaren Brennstoffen nicht. Gekauft wird dort in einem Rhythmus, der mit der Abrechnungsperiode nichts zu tun hat, und eine große Lieferung kurz vor dem Stichtag würde das Ergebnis vollständig verfälschen. Die tatsächlich verbrauchte Menge folgt deshalb aus einer Bestandsrechnung: Anfangsbestand im Tank oder Lagerraum, zuzüglich aller Zukäufe des Zeitraums, abzüglich Endbestand. Den Bestand ermitteln Sie über die Füllstandsanzeige, den Peilstab oder bei Pellets über eine Abschätzung der Schütthöhe im Lager. Die Unsicherheit dieser Bestandsaufnahme wandert ungefiltert ins Endergebnis und wiegt bei kleinen Jahresmengen besonders schwer. Erst die so bestimmte Menge wird über den Heizwert in Kilowattstunden überführt, und erst dieser Betrag geht in die Trennung von Heizung und Warmwasser ein.

Rundung, signifikante Stellen und die Unsicherheit im Ergebnis

Der Taschenrechner liefert 22.898, doch diese Genauigkeit besitzt die Rechnung nicht. Der Umrechnungsfaktor wird üblicherweise mit zwei Nachkommastellen geführt, was allein durch Rundung eine Ergebnisunschärfe im Bereich eines halben Prozents erzeugt. Dazu kommen die Ableseterminverschiebung um wenige Tage, die Unsicherheit der Warmwasserabgrenzung bei verbundenen Anlagen und bei flüssigen oder festen Brennstoffen der geschätzte Lagerbestand. Geben Sie das Ergebnis deshalb mit höchstens drei aussagekräftigen Stellen an, im Beispiel also rund 22.900 Kilowattstunden. Vergleiche zwischen zwei Jahren tragen erst, wenn die Änderung deutlich über dieser Unschärfe liegt; eine Abweichung im niedrigen einstelligen Prozentbereich kann vollständig aus der Rechenunsicherheit stammen.

Sonderfälle, die den Rechenweg verändern

Deckt sich die Abrechnungsperiode nicht mit dem Zeitraum, für den der Faktor gilt, arbeiten Sie mit Monatswerten und gewichten sie nach den tatsächlich enthaltenen Monaten. Bei einem Energieträgerwechsel mitten im Jahr rechnen Sie jeden Träger einzeln in Kilowattstunden um und addieren erst danach. Stand ein Gebäudeteil leer, gehört dieser Umstand vermerkt, weil die Rechnung sonst eine Einsparung ausweist, die keine ist. Bei Wärmepumpen ist zusätzlich zu bedenken, dass der Stromverbrauch nicht proportional zum Wärmebedarf steigt, weil die Arbeitszahl bei tiefen Außentemperaturen sinkt; die einfache Multiplikation bildet das nicht ab und liefert für kalte Jahre eine tendenziell zu günstige Zahl.

Wo Ihre eigene Rechnung endet

Die vier Schritte sind mit Rechnungen, Zählerständen und öffentlich verfügbaren Klimadaten vollständig selbst durchführbar, und das Ergebnis eignet sich gut für Ihre eigene Verlaufsbeobachtung. Nicht selbst herstellbar ist ein Wert mit Nachweischarakter: Die Zahl im Energieausweis darf nur eine ausstellungsberechtigte Person ermitteln, und deren Ansatz für Leerstand, Flächen und Warmwasser kann von Ihrem abweichen. Ebenfalls außerhalb der eigenen Rechnung liegt die Bewertung, ob eine Veränderung auf die Anlagentechnik, die Regelung oder die Gebäudehülle zurückgeht. Für diese Zuordnung brauchen Sie einen Fachbetrieb oder eine qualifizierte Energieberatung, die zusätzliche Messungen einbeziehen kann.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) – aktueller Gesetzestext
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