Effizienzklasse des Wohngebäudes nutzen: Aus den Ergebnissen konkrete Maßnahmen ableiten

Einen Maßnahmenbaum mit belastbaren Auslösekriterien. Im Mittelpunkt: Priorisierung, Entscheidungsschwellen, nächste Messungen, Beratung.

01Energieausweis

Das Wichtigste in Kürze

  • Priorisierung, Entscheidungsschwellen, nächste Messungen.
  • Der Beitrag liefert einen Maßnahmenbaum mit belastbaren Auslösekriterien.
  • Die Seite beginnt beim fertigen Ergebnis und leitet nur nächste Entscheidungen ab.

Was am fertigen Ergebnis als Entscheidungsgrundlage taugt

Vor Ihnen liegt ein abgeschlossenes Dokument mit einem Buchstaben, einem Kennwert und einer Empfehlungsseite. Für die nächsten Schritte sind davon drei Dinge brauchbar: die Größenordnung der jährlichen Endenergie je Fläche, der ausgewiesene Energieträger samt Anlagenbaujahr und die Liste der vom Aussteller genannten Schwachstellen.

Nicht brauchbar für eine Investitionsentscheidung sind der Buchstabe allein und jede Ableitung von Einsparbeträgen aus ihm. Der Sprung von einer Stufe zur nächsten steht für sehr unterschiedliche Energiemengen, je nachdem, wo auf der Skala Sie sich befinden. Wer eine Sanierung damit begründet, dass er von einer Stufe zur nächsten kommen möchte, optimiert eine Darstellung und nicht sein Gebäude. Arbeiten Sie deshalb ausschließlich mit dem Kennwert und den dahinterliegenden Angaben.

Erster Verzweigungspunkt: Anlagentechnik oder Gebäudehülle

Der Maßnahmenbaum beginnt mit einer einzigen Frage: Wie alt ist der Wärmeerzeuger und wie lange trägt er noch? Steht ein Erzeugertausch in absehbarer Zeit an, weil das Gerät die übliche Nutzungsdauer erreicht hat, häufig Störungen zeigt oder Ersatzteile schwer zu bekommen sind, dominiert dieser Zweig die gesamte Planung. Denn welche Erzeugerart später wirtschaftlich läuft, hängt vom Wärmebedarf und von den erreichbaren Vorlauftemperaturen ab, und beides bestimmen die Hüllflächen.

Ist der Erzeuger dagegen jung und läuft störungsfrei, verschiebt sich das Gewicht auf die Hülle und auf den Betrieb. Die Reihenfolge ist in diesem Fall nicht beliebig: Dämmmaßnahmen senken die benötigte Heizleistung, während ein bereits ausgelegter Erzeuger nicht kleiner wird. Wer zuerst tauscht und danach dämmt, betreibt anschließend ein überdimensioniertes Gerät.

Auslösekriterien für den geringinvestiven Zweig

Unabhängig vom Kennwert lohnt dieser Zweig fast immer zuerst, weil er kurzfristig wirkt und spätere Entscheidungen nicht verbaut. Er wird ausgelöst, wenn eines der folgenden Merkmale zutrifft:

  • Einzelne Räume werden nicht warm, während andere überhitzen — Hinweis auf fehlenden hydraulischen Abgleich
  • Die Vorlauftemperatur ist unverändert seit Inbetriebnahme eingestellt und wurde nie an den heutigen Zustand angepasst
  • Heizungsrohre und Armaturen in unbeheizten Kellerräumen sind ungedämmt
  • Rollladenkästen, Kellertür oder oberste Geschossdecke sind erkennbar ungedämmt beziehungsweise undicht
  • Die Umwälzpumpe ist alt und läuft ungeregelt

Diese Punkte können Sie größtenteils selbst feststellen: sehen, fühlen, Thermostatstellungen und Reglereinstellungen notieren, Raumtemperaturen mit einem einfachen Thermometer vergleichen. Die Umsetzung von hydraulischem Abgleich, Reglereinstellung und Pumpentausch gehört jedoch in die Hand des Heizungsfachbetriebs.

Auslösekriterien für Maßnahmen an der Hülle

Für den investitionsintensiven Zweig brauchen Sie härtere Kriterien als ein ungutes Gefühl. Belastbar sind vier Auslöser. Erstens ein Bauteil, das auf der Empfehlungsseite ausdrücklich genannt wird und dessen Zustand Sie selbst nachvollziehen können, etwa eine ungedämmte oberste Geschossdecke. Zweitens ein Bauteil, das ohnehin instandgesetzt werden muss, weil die Dacheindeckung, der Außenputz oder die Fenster am Ende ihrer Nutzungsdauer stehen. Drittens ein Bauteil, dessen Innenoberfläche im Winter spürbar auskühlt und an dem sich wiederkehrend Feuchte niederschlägt. Viertens eine geplante Umstellung auf einen Erzeuger mit niedriger Vorlauftemperatur, für die die Heizlast gesenkt werden muss.

Fehlt jeder dieser Auslöser, ist eine große Hüllmaßnahme zum jetzigen Zeitpunkt nicht begründet, auch wenn der Kennwert hoch wirkt. Umgekehrt genügt ein einziger klarer Auslöser, um in die Detailplanung einzusteigen.

Beachten Sie dabei die Wechselwirkungen. Eine dichtere Gebäudehülle verändert das Lüftungsverhalten und damit den Feuchtehaushalt; nach einem Fenstertausch ohne angepasstes Lüftungskonzept verlagert sich der Taupunkt an die nächste kalte Stelle. Wer die Kellerdecke dämmt, senkt die Bodentemperatur im Erdgeschoss, sofern die Randbereiche nicht mitgedacht werden. Solche Folgen gehören vor die Auftragsvergabe, nicht in die Mängelliste danach.

Ohnehin-Maßnahmen als Taktgeber und die Frage der Vorrüstung

Der günstigste Zeitpunkt für energetische Verbesserungen ist der, an dem ein Bauteil aus anderen Gründen bearbeitet wird. Wird das Gerüst für eine Fassadeninstandsetzung ohnehin gestellt, ändert sich die Kostenstruktur einer Dämmung grundlegend. Wird das Dach neu eingedeckt, ist die Zwischen- und Aufsparrendämmung eine Frage weniger Zusatzpositionen im Angebot.

Denken Sie bei jedem solchen Anlass an Vorrüstungen, die später Umbauten ersparen: Leerrohre und Kabelwege bei Fassadenarbeiten, ausreichend dimensionierte Heizkörper oder Flächenheizungen bei ohnehin anstehenden Bodenaufbauten, ein Platzkonzept für einen Pufferspeicher bei Kellerarbeiten, ein vorbereiteter Zählerplatz bei Elektroarbeiten. Diese Vorüberlegungen kosten wenig, wenn sie rechtzeitig kommen, und viel, wenn sie fehlen.

Vom Ergebnis zur belastbaren Planung

Ab einem gewissen Punkt tragen die Angaben des Ausweises nicht weiter, weil sie das Gebäude nicht bauteilscharf beschreiben. Der übliche nächste Schritt ist eine Vor-Ort-Beratung mit Aufnahme der Bauteile, aus der ein individueller Sanierungsfahrplan hervorgeht. Dessen Nutzen liegt in der Reihenfolge: Er ordnet Maßnahmen zeitlich so, dass keine spätere Maßnahme eine frühere entwertet, und er benennt für jeden Schritt den Zielzustand des Bauteils.

Holen Sie an dieser Stelle auch die Frage der Förderfähigkeit ins Verfahren, denn Programme knüpfen regelmäßig an nachgewiesene Bauteilqualitäten und an eine fachliche Begleitung an, und Anträge müssen vor Auftragsvergabe gestellt werden. Die konkreten Bedingungen und Sätze ändern sich; prüfen Sie sie unmittelbar vor der Entscheidung bei der ausgebenden Stelle nach.

Welche Messungen und Unterlagen Sie vor dem ersten Angebot sichern

Bevor Sie Handwerksbetriebe anfragen, legen Sie eine Mappe an. Hinein gehören der Ausweis mit allen Seiten, die Abrechnungen der letzten Jahre, Grundrisse und Schnitte, Nachweise über bereits durchgeführte Maßnahmen mit Datum, die Wartungsprotokolle der Heizung, das letzte Protokoll des Schornsteinfegers und Fotos der Bauteile, um die es gehen soll.

Ergänzend sind zwei einfache Erhebungen sinnvoll, die Sie selbst leisten können: eine Liste der Raumtemperaturen in allen Räumen an mehreren kalten Tagen und die Ablesung der Zählerstände in kurzen, festen Abständen über eine Heizperiode. Beides schafft eine Ausgangslinie, an der sich später messen lässt, ob eine Maßnahme gewirkt hat.

Wo Ihre Eigenleistung endet, ist dabei klar: Bauteilöffnungen, Luftdichtheitsmessungen, Heizlastberechnungen, Arbeiten am Zählerschrank sowie alle Eingriffe an Gas-, Abgas- und Trinkwasseranlagen sind Fachaufgaben. Ihre Rolle besteht darin, die Entscheidungsgrundlage vollständig zu machen und die Reihenfolge zu steuern.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) – aktueller Gesetzestext
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