Fassade streichen: Warum die Farbe die kleinste Position der Rechnung ist

Gerüst, Untergrundvorbereitung und Grundierung machen den Großteil der Rechnung aus. Und die abgerechnete Fläche ist größer als die, die tatsächlich gestrichen wird.

Zwei Maler streichen eine helle Hausfassade, einer steht auf einer Leiter, Abdeckplane am Boden
Zwei Maler streichen eine helle Hausfassade, einer steht auf einer Leiter, Abdeckplane am BodenFoto: Traumrune / Wikimedia CommonsCC BY-SA 3.0

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach den Abrechnungsregeln der VOB/C werden Öffnungen bis 2,5 Quadratmeter Einzelgröße übermessen — Fenster und Türen unterhalb dieser Grenze bezahlen Sie mit.
  • Für den reinen Anstrich liegen Grundierung bei rund 10 Euro je Quadratmeter, Farbe bei 10 bis 20 Euro und der Malerlohn bei 10 bis 15 Euro.
  • Das Gerüst schlägt mit etwa 6 bis 12 Euro je Quadratmeter zu Buche und wird nach Standzeit abgerechnet, nicht nach geleisteter Arbeit.
  • Die Baupreise für Wohngebäude lagen im Februar 2026 um 3,3 Prozent über dem Vorjahr, Ausbauarbeiten um 3,8 Prozent — Angebote altern schnell.

Zwei Angebote für dasselbe Haus, 24 Euro je Quadratmeter das eine, 41 Euro das andere. Der Unterschied liegt fast nie an der Farbe. Er liegt daran, dass in einem der beiden Angebote das Gerüst fehlt, die Reinigung pauschal angesetzt ist und die Zahl der Anstriche nicht dasteht.

Wer den Quadratmeterpreis vergleichen will, muss deshalb zwei Dinge kennen: welche Fläche abgerechnet wird und welche Positionen darin stecken. Beides ist geregelt — nur nicht auf dem Deckblatt des Angebots.

Die Fläche, die Sie bezahlen, ist größer als die gestrichene

Bei Malerarbeiten nach VOB/C gilt mit der ATV DIN 18363 eine Abrechnungsregel, die viele Eigentümer überrascht: Aussparungen mit einer Einzelgröße unter 2,5 Quadratmetern werden übermessen. Das heißt, sie werden nicht abgezogen. Ein Standardfenster mit 1,30 mal 1,40 Meter misst 1,82 Quadratmeter — es wird mitberechnet, obwohl niemand darüber streicht.

Der Grund ist kalkulatorisch nachvollziehbar: Um ein Fenster herum entsteht mehr Aufwand als auf freier Fläche, weil abgeklebt, abgedeckt und an Laibungen gearbeitet werden muss. Öffnungen über 2,5 Quadratmeter, etwa eine große Terrassentür, werden dagegen vollständig abgezogen.

Praktisch folgt daraus eine einzige, aber wichtige Frage an jeden Anbieter: Nach welcher Regel messen Sie auf? Wer die Fenster abzieht und dafür einen höheren Quadratmeterpreis verlangt, kann am Ende billiger sein als der Wettbewerber mit dem niedrigeren Einheitspreis auf der größeren Fläche. Erst die Multiplikation entscheidet, und die steht in keinem der beiden Angebote.

Was die einzelnen Positionen kosten

Die folgenden Spannen beziehen sich auf einen Anstrich auf vorhandenem, tragfähigem Putz und gelten je Quadratmeter abgerechneter Fassadenfläche. Stand: September 2026.

Position Spanne je m² Was die Spanne treibt
Gerüst inklusive Auf- und Abbau 6 bis 12 Euro Gebäudehöhe, Zugänglichkeit, Standzeit, Verankerungspunkte
Reinigung des Untergrunds 3 bis 8 Euro Verfahren, Algen- und Moosbefall, Trocknungszeit
Riss- und Putzreparatur 0 bis 25 Euro Anteil der Schadfläche — die größte Unbekannte
Grundierung rund 10 Euro saugender oder gesperrter Untergrund, Systemvorgabe
Farbe, Material 10 bis 20 Euro Dispersion, Silikonharz oder Silikat; Deckkraft; Farbton
Malerlohn für den Anstrich 10 bis 15 Euro Zahl der Anstriche, Gliederung, Detailarbeiten

Die Farbe ist damit selten mehr als ein Fünftel der Rechnung. Wer beim Material spart und den Untergrund unbehandelt lässt, dreht an der kleinen Schraube und riskiert die große: einen Anstrich, der nach fünf statt nach fünfzehn Jahren wieder ansteht.

Zwei Positionen fehlen in dieser Tabelle bewusst, weil sie nicht je Quadratmeter anfallen: Abdecken und Schutz von Fenstern, Wegen und Pflanzen sowie Rückbau, Endreinigung und Entsorgung. Sie gehören trotzdem in jedes Angebot — als eigene, bezifferte Zeilen.

Das Gerüst rechnet nach Zeit, nicht nach Arbeit

Gerüstbau wird in der Regel mit einer Grundstandzeit angeboten, häufig vier Wochen. Danach läuft eine wöchentliche Verlängerungsmiete. Das hat eine Konsequenz, die den Preis stärker beeinflusst als jede Materialentscheidung: Regenwochen kosten Geld, auch wenn niemand arbeitet.

Lassen Sie sich deshalb Grundstandzeit, Verlängerungssatz je Woche und den Abbautermin schriftlich geben. Und planen Sie in derselben Standzeit alles ein, was ohnehin ansteht — Dachrinne, Fensteranschlüsse, Rollladenkästen, Blitzschutz. Die Verbraucherzentrale weist zu Recht darauf hin, dass Gerüstkosten so nur einmal entstehen. Wer die Dämmung ohnehin erwägt, sollte diesen Punkt jetzt klären und nicht in drei Jahren; was das kostet, steht im Beitrag zur Fassadendämmung und ihren Kosten.

Zwei Szenarien für dasselbe Haus

Ein Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern abgerechneter Fassadenfläche, zwei Vollgeschosse, freistehend.

Szenario A, intakter Untergrund. Gerüst 9 Euro, Reinigung 4 Euro, Grundierung 10 Euro, Silikonharzfarbe 16 Euro, Lohn 13 Euro — zusammen 52 Euro je Quadratmeter, also rund 7.800 Euro. Putzreparaturen fallen nicht an.

Szenario B, 25 Prozent Schadfläche. Dieselben Positionen, zusätzlich Riss- und Putzausbesserung auf 37 Quadratmetern zu 60 Euro je Quadratmeter Schadfläche, also rund 2.200 Euro. Ergebnis: rund 10.000 Euro, umgerechnet 67 Euro je Quadratmeter.

Der Unterschied zwischen beiden Szenarien ist größer als der Unterschied zwischen der billigsten und der teuersten Farbe. Deshalb gehört die Zustandsprüfung vor die Preisverhandlung und nicht danach. Wie Putzsystem und Anstrich technisch zusammenpassen müssen, führt der Beitrag zu Fassadenputz und Anstrich aus.

Kosten je Jahr statt Kosten je Quadratmeter

Der Quadratmeterpreis ist die falsche Vergleichsgröße, sobald zwei Beschichtungssysteme zur Wahl stehen. Sinnvoller ist der Preis je Quadratmeter und Standjahr.

Eine Silikonharzfarbe auf geeignetem Untergrund erreicht üblicherweise zwölf bis zwanzig Jahre, ein mineralisches Silikatsystem zehn bis fünfzehn Jahre auf mineralischem Untergrund, eine einfache Kunststoffdispersion entsprechend weniger. Rechnen Sie Szenario A durch: 7.800 Euro auf 150 Quadratmeter sind 52 Euro je Quadratmeter. Bei fünfzehn Jahren Standzeit sind das 3,47 Euro je Quadratmeter und Jahr, bei acht Jahren 6,50 Euro.

Der Aufpreis für das langlebigere System liegt meist bei fünf bis acht Euro je Quadratmeter — und damit weit unter dem, was ein vorgezogener zweiter Anstrich kostet, bei dem Gerüst, Reinigung und Lohn noch einmal vollständig anfallen. Das gilt allerdings nur, wenn das System zum Untergrund passt: Ein Silikatanstrich auf einem alten Dispersionsanstrich hält nicht länger, sondern kürzer.

Ausschlaggebend für die tatsächliche Standzeit ist neben dem Material die Schlagregenbelastung Ihrer Wand. Eine wetterabgewandte Südseite hält deutlich länger als eine ungeschützte Westgiebelwand am Ortsrand — was in der Praxis bedeutet, dass nicht jede Seite gleichzeitig fällig wird.

Was das Finanzamt von den Lohnkosten übernimmt

Ein Fassadenanstrich am selbst genutzten Haus ist eine Handwerkerleistung im Sinne des § 35a Absatz 3 EStG. Sie können 20 Prozent der Aufwendungen direkt von der Steuerschuld abziehen, höchstens 1.200 Euro im Jahr.

Zwei Einschränkungen entscheiden über den tatsächlichen Betrag. Erstens gilt die Ermäßigung nach Absatz 5 nur für Arbeitskosten; Material und Farbe zählen nicht. In Szenario A sind von 7.800 Euro etwa 2.000 Euro Lohn — das ergibt 400 Euro Ermäßigung, nicht 1.560 Euro. Bestehen Sie deshalb darauf, dass die Rechnung Lohn- und Materialanteil getrennt ausweist; ohne diese Aufteilung erkennt das Finanzamt nichts an. Auch der Gerüstbau ist als Arbeitsleistung begünstigt.

Zweitens muss die Rechnung vorliegen und unbar auf das Konto des Handwerkers gezahlt worden sein. Barzahlung schließt die Ermäßigung vollständig aus — auch mit Quittung. Und wer stattdessen eine öffentliche Förderung mit zinsverbilligtem Darlehen oder steuerfreiem Zuschuss in Anspruch nimmt, kann § 35a für dieselbe Maßnahme nicht zusätzlich nutzen.

Woran Sie ein zu billiges Angebot erkennen

Vier Lücken tauchen regelmäßig auf. Es fehlt die Zahl der Anstriche — ein einziger Auftrag deckt bei Farbwechsel praktisch nie. Es fehlt die Grundierung, obwohl der Altanstrich kreidet. Es fehlt die Aufmaßregel, sodass die Schlussrechnung frei ist. Und es fehlt eine Aussage dazu, was passiert, wenn hinter dem Gerüst mehr Schaden sichtbar wird als angenommen — verlangen Sie dafür einen vereinbarten Einheitspreis je Quadratmeter Ausbesserung statt eines späteren Nachtrags.

Ein fünfter Punkt betrifft ältere Häuser: Vor dem Anschleifen oder Abstrahlen eines Altanstrichs ist zu klären, was darin steckt. Was bei Beschichtungen aus der Zeit vor 1990 zu beachten ist, behandelt der Beitrag zu bleihaltigen Altanstrichen.

Bevor Sie das erste Angebot einholen

Messen Sie die Fassadenfläche selbst überschlägig auf — mit dem Flächenrechner genügt Länge mal Höhe je Seite, Fenster zunächst ohne Abzug. So erkennen Sie sofort, ob ein Anbieter mit einer deutlich abweichenden Fläche rechnet.

Holen Sie drei Angebote auf identischer Grundlage ein: dieselbe Fläche, dieselbe Zahl der Anstriche, dasselbe Beschichtungssystem, Gerüst als eigene Position. Die Checkliste für Handwerkerangebote hilft bei Leistungsumfang und Nachtragsregeln.

Und rechnen Sie Angebote nicht zu lange fort: Die Baupreise für Wohngebäude lagen im Februar 2026 um 3,3 Prozent über dem Vorjahreswert, Ausbauarbeiten sogar um 3,8 Prozent. Ein Preis aus dem Vorjahr ist kein Vergleichsmaßstab mehr. Ob aus dem Anstrich rechtlich eine Erneuerung wird — mit den Folgen, die das nach sich zieht —, klärt der Beitrag zur Zehn-Prozent-Regel bei der Fassadensanierung.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Energie-Fachberater — Was kostet die Fassadensanierung?
  2. Energie-Fachberater — Wie viel kann ein Gerüst kosten?
  3. Statistisches Bundesamt — Baupreise für Wohngebäude im Februar 2026
  4. § 35a EStG — Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen
  5. Verbraucherzentrale — Wärmedämmung richtig anpacken
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