Dachanschlüsse an Kamin und Wand – Konstruktionen vergleichen: Material und Aufbau passend wählen

Ein Anschluss wird nicht am Blech entschieden, sondern an der Ebene darunter. Die ATV DIN 18338 zählt Dichtungs-, Dämm- und Schutzschichten ausdrücklich zur Dachdeckung – ein Angebot ohne diesen Anschluss ist unvollständig.

Schnittskizze eines Kaminanschlusses mit Wasserweg oberhalb, seitlich und unterhalb sowie markierter wasserführender Ebene
Schnittskizze eines Kaminanschlusses mit Wasserweg oberhalb, seitlich und unterhalb sowie markierter wasserführender Ebene

Das Wichtigste in Kürze

  • Die ATV DIN 18338:2019-09 der VOB Teil C regelt Dachdeckungsarbeiten einschließlich der erforderlichen Dichtungs-, Dämmstoff- und Schutzschichten; sie hat die Ausgabe 2016 ersetzt.
  • Damit gehört der Anschluss der wasserführenden Ebene zum Leistungsbild und ist keine gesondert zu vereinbarende Zusatzarbeit.
  • Die anerkannten Regeln für Dachdeckungen und Abdichtungen stehen im Regelwerk des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks, das Fachregeln, Merkblätter, Hinweise und Produktdatenblätter umfasst.
  • Höhe und Lage des Schornsteinkopfs über der Dachfläche folgen der Feuerungsverordnung des jeweiligen Bundeslandes; die Muster-Feuerungsverordnung der Bauministerkonferenz gilt nicht unmittelbar.
  • Eine Variante scheidet aus, wenn Wasserweg oberhalb, seitlich oder unterhalb des Bauteils offenbleibt oder der Anschluss der Unterdeckung ungeklärt ist.

Ein Anschluss an Kamin oder Wand wird nicht sinnvoll verglichen, indem man zwischen zwei sichtbaren Blechen wählt. Eine Konstruktion muss Wasser oberhalb des Bauteils auffangen, seitlich führen und unterhalb kontrolliert in die Dachfläche zurückgeben. Gleichzeitig treffen Deckung, Metall, Holz und Mauerwerk aufeinander und bewegen sich unterschiedlich. Der passende Aufbau ist derjenige, der diese Aufgaben am konkreten Dach vollständig löst.

Was zur geschuldeten Leistung gehört – und was das für Angebote bedeutet

Der wichtigste Punkt beim Vergleich steht nicht im Prospekt, sondern im Vertragsrecht. Die ATV DIN 18338:2019-09 der VOB Teil C trägt den Titel „Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) – Dachdeckungsarbeiten“ und regelt Dachdeckungen „einschließlich der erforderlichen Dichtungs-, Dämmstoff- und Schutzschichten“ sowie Außenwandbekleidungen mit Dachdeckungsstoffen. Sie wurde vom Deutschen Vergabe- und Vertragsausschuss für Bauleistungen fachtechnisch überarbeitet und ersetzt die Ausgabe von 2016.

Daraus folgt ein handfestes Prüfkriterium: Wenn ein Angebot nur „Kaminanschluss, Blech“ ausweist und die Ebene darunter offenlässt, beschreibt es keine vollständige Anschlusskonstruktion. Fragen Sie in diesem Fall schriftlich nach, wie die wasserführende Ebene angeschlossen wird und welche Position im Angebot das abbildet.

Die anerkannten Regeln der Technik für Dachdeckungen und Abdichtungen stehen im Regelwerk des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks. Es besteht aus Fachregeln, Merkblättern, Hinweisen und Produktdatenblättern und deckt Dach-, Wand- und Abdichtungsarbeiten ab. Für Ihre Entscheidung ist wichtig: Die Regelanschlusshöhe an aufgehenden Bauteilen und die zulässige Ausführung hängen von Deckungsart, Dachneigung und Beanspruchung ab. Lassen Sie sich für jede verglichene Variante die konkrete Fundstelle im Regelwerk nennen, statt eine allgemeine Zahl aus dem Internet zu übernehmen.

Den Vergleich am Detail beginnen, nicht am Material

Nehmen Sie für jede Variante dieselben fünf Fragen mit: Welche Schichten liegen unter der Deckung? Wie wird die wasserführende Ebene angeschlossen? Wie wird Wasser oberhalb, seitlich und unterhalb des Kamins oder der Wand weitergeführt? Welche Befestigungen und Formteile gehören dazu? Und wie lässt sich das Detail bei einer späteren Reparatur wieder öffnen und schließen?

Ein gerader Wandanschluss auf einer ruhigen Dachfläche stellt andere Anforderungen als ein Kamin mit mehreren Seiten, Ecken und Nähe zu Kehle oder Dachfenster. Eine Variante darf nicht deshalb gewählt werden, weil sie auf einem Musterstück gut aussieht. Lassen Sie sie an der schwierigsten Stelle Ihrer Dachgeometrie erklären. Welche Geometrie das ist, ergibt sich aus der vorgelagerten Bestandsaufnahme der Dachanschlüsse.

Der Schornsteinkopf bestimmt die Randbedingung mit

Am Kamin kommt eine Randbedingung hinzu, die nicht das Dachdeckerhandwerk allein setzt: Wie hoch der Schornstein über die Dachfläche geführt werden muss und welche Abstände zu brennbaren Bauteilen einzuhalten sind, regelt die Feuerungsverordnung des jeweiligen Bundeslandes. Die Bauministerkonferenz stellt dazu eine Muster-Feuerungsverordnung bereit; Musterfassungen gelten jedoch nicht unmittelbar, sondern dienen den Ländern als Vorlage für eigenes Landesrecht.

Für den Vergleich der Anschlusskonstruktionen bedeutet das: Klären Sie zuerst, ob der vorhandene Schornsteinkopf die Anforderungen erfüllt und ob eine geplante Dacherhöhung, eine neue Deckung oder eine zusätzliche Dämmebene diese Verhältnisse verändert. Wird der Kopf ohnehin verändert, ändert sich auch das Anschlussdetail – und eine Variante, die vorher ausschied, kann wieder infrage kommen. Für den Zustand von Schornstein und Feuerstätte selbst gibt es die getrennte Prüfung unter Kaminofen und Schornstein sicher prüfen. Verbindlich ist im Zweifel die Beurteilung des bevollmächtigten Bezirksschornsteinfegers.

Material und Schichten gemeinsam betrachten

Metallteile bilden den sichtbaren Übergang, ersetzen aber nicht die Ebene darunter. Die Unterdeckung oder das Unterdach muss Feuchtigkeit ebenfalls in eine sichere Richtung führen. Vergleichen Sie daher keinen einzelnen Werkstoff losgelöst vom Aufbau. Fragen Sie bei jeder Option, auf welchem Untergrund sie liegt, wie Überlappungen ausgebildet werden und wie die Deckung wieder anschließt.

Am Kamin kommt der Zustand des Mauerwerks hinzu. Bei einer Wand können Putz, Bekleidung oder eine andere Abdichtung die Anschlusswahl beeinflussen. Unterschiedliche Materialien brauchen eine Bewegungslösung, die der Fachbetrieb zu System und Bestand festlegt. Für die Auswahl genügt eine Frage: Ist diese Bewegung mit einer nachvollziehbaren Schichtenfolge berücksichtigt, oder wird sie nur als spätere Baustellenlösung beschrieben?

Der Wasserweg ist das Ausschlusskriterium

Oberhalb eines Kamins darf sich kein Wasser stauen. Seitliche Bereiche müssen Regen und Winddruck beherrschen, ohne Wasser hinter die Deckung zu leiten. Unterhalb des Bauteils muss der Ablauf zurück in die Dachfläche funktionieren. Ein Anschluss scheidet aus, wenn eines dieser Details offenbleibt – auch dann, wenn das sichtbare Blech preiswert oder optisch attraktiv ist.

Bitten Sie darum, den Weg auf einer Skizze zu zeigen: Deckung, wasserführende Ebene, Blech oder Formteil und die angrenzende Wand. Erst wenn diese Zeichnung für alle verglichenen Varianten vorliegt, wird sichtbar, ob sich die Unterschiede nur in der Oberfläche oder in der technischen Lösung befinden. Der gleiche Grundsatz gilt am Traufpunkt; dort ist er im Vergleich von Dachrinne und Traufdetail beschrieben.

Entscheidungstabelle mit Ausschlussgründen

Kriterium Was Sie je Variante abfragen Ausschlussgrund
Wasserweg oberhalb Wie wird Wasser vor dem Bauteil geteilt und abgeführt? Stauzone ohne Ableitung
Wasserweg seitlich Wie schließen Deckung und Bauteil unter Winddruck an? Wasser kann hinter die Deckung gelangen
Wasserweg unterhalb Wie kehrt Wasser in die Dachfläche zurück? Fläche unterhalb bleibt offen oder undefiniert
Anschluss der Unterdeckung Wie wird die wasserführende Ebene angebunden? Unterdeckung nicht anschließbar
Bewegungsaufnahme Wie werden Bewegungen zwischen Bauteilen aufgenommen? Lösung erst „auf der Baustelle“ vorgesehen
Regelwerksbezug Welche Fundstelle im ZVDH-Regelwerk gilt für Deckung und Neigung? Keine Fundstelle benennbar
Reparaturzugang Welche Schichten müssen später geöffnet werden? Nur großflächige Öffnung möglich
Folgearbeiten Was passiert bei Putz-, Kamin- oder Dachfenstererneuerung? Wiederherstellung nur durch Zerstörung des Details

Die Tabelle ordnet Kriterien und Ausschlussgründe zu. Sie bewertet keine Fabrikate und ersetzt keine Fachplanung.

Reparierbarkeit ist Teil der Entscheidung

Ein Anschluss wird später möglicherweise durch Kaminsanierung, Dachfenstertausch, Photovoltaik, Blitzschutz oder eine Reparatur am Mauerwerk berührt. Fragen Sie, welche Schichten dann geöffnet werden müssen und wie eine neue Durchdringung an die vorhandene Unterdeckung angeschlossen wird. Bewahren Sie nach Abschluss Produktangaben und Fotos der offenen Details auf – nicht als Wartungsanleitung für Eigenarbeit, sondern als Grundlage für die spätere Fachreparatur.

Eine Lösung kann in der Erstmontage einfacher wirken und bei jeder späteren Öffnung aufwendige Wiederherstellung verlangen. Notieren Sie deshalb nicht nur Anschaffung und Optik, sondern auch Zugang, Ersatzteile, Übergang zu angrenzenden Bauteilen und bekannte Einschränkungen. Die technische Auslegung, Befestigung und Ausführung gehören zum Fachbetrieb; Arbeiten auf Dachflächen und Gerüsten sowie Eingriffe in Abdichtungen oder tragende Bauteile sind keine Eigenleistung.

Zwei typische Details getrennt bewerten

Bei einem gemauerten Kamin muss die Lösung alle Seiten des Bauteils zusammenführen. Oberhalb entscheidet sich, ob Wasser umgeleitet wird; an den Seiten treffen Deckung und Mauerwerk aufeinander; unterhalb muss die Fläche wieder geschlossen werden. Prüfen Sie, ob für jede dieser Seiten ein zusammengehöriger Aufbau gezeigt wird. Ein sichtbares Blech nur auf der Vorderseite wäre keine vollständige Anschlusskonstruktion.

Bei einer aufgehenden Wand ist der Übergang oft länger, aber nicht einfacher. Hier zählen die Lage der Wandoberfläche, mögliche Bewegungen zwischen Dach und Wand sowie der Anschluss der wasserführenden Ebene über die gesamte Länge. Soll Putz oder Bekleidung später erneuert werden, fragen Sie, ob der Anschluss danach ohne Zerstörung des Dachdetails wiederhergestellt werden kann. Diese Folgearbeit kann eine Variante ausschließen, die in der Erstmontage gut wirkt.

Von der Auswahl zur Umsetzung

Steht die Variante fest, wandert das Ergebnis in die Planung: Welche Bestandsschichten sind vorhanden, welche Anschlüsse werden neu hergestellt, welche Formteile werden bestellt? Diesen Schritt beschreibt die Planung der Dachanschlüsse; die Prüfstopps während der Arbeiten stehen unter Dachanschlüsse ausführen.

Bewusst offen bleibt in diesem Vergleich, welche Mindestanschlusshöhe für Ihre Deckung und Dachneigung gilt und welche Werte die Feuerungsverordnung Ihres Landes für den Schornsteinkopf vorgibt. Beide Angaben sind ausgabestandsabhängig und gehören schriftlich vom ausführenden Betrieb beziehungsweise vom bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger in Ihre Unterlagen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIN 18338:2019-09 – VOB Teil C, ATV Dachdeckungsarbeiten (DIN Media)
  2. Regelwerk des Deutschen Dachdeckerhandwerks – Fachregeln, Merkblätter, Hinweise und Produktdatenblätter (ZVDH)
  3. Muster-Feuerungsverordnung (MFeuV) – Fassungen und Änderungsstände (Bauministerkonferenz)
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