Bohrprotokoll und geologische Daten berechnen: Eingaben, Formel und Ergebnis richtig einordnen
Eine vollständig nachvollziehbare Musterrechnung. Im Mittelpunkt: Eingangsdaten, Rechenweg, Einheiten, Vergleichswerte.
Das Wichtigste in Kürze
- Eingangsdaten, Rechenweg, Einheiten.
- Der Beitrag liefert eine vollständig nachvollziehbare Musterrechnung.
- Die Seite behandelt nur Berechnung und Interpretation des Ergebnisses.
Nur dokumentierte Größen rechnen
Mit einem Bohrprotokoll lassen sich einfache, nachvollziehbare Mengen und Abweichungen berechnen. Dazu gehören Gesamtlängen aus dokumentierten Tiefen, Anteile von beschriebenen Intervallen oder die Differenz zwischen geplanter und tatsächlich protokollierter Tiefe. Nicht berechnen lässt sich daraus allein die dauerhaft verfügbare Entzugsleistung einer Erdwärmequelle. Dafür wären zusätzliche fachliche Daten und ein vollständiges Auslegungskonzept nötig. Die Rechenmethode trennt deshalb sicher zählbare Angaben von geologischen oder thermischen Bewertungen, die das Protokoll nicht tragen kann.
Übernehmen Sie jede Zahl mit Einheit und Fundstelle. Eine Tiefe kann sich auf Geländeoberkante, Bohransatz oder eine andere Bezugshöhe beziehen; bevor Werte addiert oder verglichen werden, muss der Bezug gleich sein. Schreiben Sie nicht nur „25“, sondern beispielsweise „25 m, dokumentierte Tiefe ab im Protokoll genanntem Bezug“. Wenn die Einheit fehlt oder der Bezug nicht erklärt ist, wird die Zahl nicht weitergerechnet. Eine scheinbar kleine Unklarheit kann eine Summierung unbrauchbar machen.
Längen aus Intervallen bilden
Die Länge eines eindeutig dokumentierten Intervalls ergibt sich aus oberer minus unterer Tiefengrenze. In Worten: Endtiefe minus Anfangstiefe. Beispielhaft sei ein Intervall von A Metern bis B Metern dokumentiert. Seine Länge lautet dann B minus A Meter. Das ist eine Rechenregel, kein geologischer Kennwert. Sie gilt nur, wenn A und B dieselbe Einheit und denselben Bezug haben und B tatsächlich tiefer liegt als A.
Für eine vollständige Bohrlänge addieren Sie nur lückenlos oder klar getrennt dokumentierte Abschnitte. Sind mehrere Bohrungen vorhanden, bleibt jede Bohrung zunächst eine eigene Zeile. Erst danach wird die Summe mit der Anzahl und Kennzeichnung der Bohrpunkte verglichen. Es ist falsch, die größte Tiefe einer Bohrung mit einer Summe aus mehreren Bohrungen zu verwechseln. Ebenso darf eine Planlänge nicht unbemerkt mit einer ausgeführten Länge zusammengezählt werden.
Eine Musterrechnung zeigt die Form, nicht einen realen Untergrund: Bohrung X enthält die Intervalle von A bis B und von B bis C. Die Gesamtlänge der beiden ohne Lücke anschließenden Intervalle ist (B minus A) plus (C minus B), also C minus A. Gibt es zwischen B und D eine nicht beschriebene Strecke, bleibt sie als offene Lücke notiert; sie wird nicht einer Schicht zugeschlagen. Damit bleibt die Rechnung prüfbar, auch wenn die Dokumentation unvollständig ist.
Schichtanteile transparent berechnen
Soll der Anteil einer dokumentierten Schicht an einer Bohrstrecke dargestellt werden, teilen Sie die Summe ihrer eindeutig zugeordneten Intervalle durch die dokumentierte Vergleichslänge und geben das Ergebnis als Anteil an. Beispiel: Eine Schicht ist in den Intervallen L1 und L2 angesprochen, die Vergleichslänge beträgt G. Die Rechenform lautet (L1 plus L2) geteilt durch G. Für eine Prozentdarstellung wird das Ergebnis mit 100 multipliziert. Alle Buchstaben stehen nur für dokumentierte Längen in Metern; sie sind keine erfundenen Kennzahlen.
Wichtig ist die Wahl des Nenners. Bei einer Lücke oder einem nicht beschriebenen Abschnitt kann der Anteil nur für die dokumentierte Vergleichslänge gelten, nicht automatisch für die gesamte Bohrung. Schreiben Sie diese Einschränkung neben das Ergebnis: „Anteil bezogen auf die beschriebenen Intervalle.“ Ein Prozentwert wirkt präzise, kann aber bei wenigen oder grob beschriebenen Abschnitten nur eine grobe Dokumentationsgröße sein. Er beschreibt keine gleichmäßige Verteilung und keine Wärmeleitfähigkeit.
Plan und Protokoll getrennt vergleichen
Eine Tiefenabweichung wird als dokumentierte Isttiefe minus dokumentierte Solltiefe gerechnet. Beispiel: Im Auftrag steht die Variable S, im Protokoll die Variable I. Die Abweichung lautet I minus S Meter. Ein positives oder negatives Vorzeichen zeigt nur die Richtung gegenüber der festgelegten Rechenweise. Es erklärt weder Ursache noch technische Folge. Für die Bewertung braucht es Plan, Genehmigung, geologische Situation und eine fachliche Stellungnahme.
Bei mehreren Bohrungen wird jede Abweichung einzeln ausgewiesen. Danach kann zusätzlich die Summe der dokumentierten Istlängen mit der Summe der Solllängen verglichen werden. Eine gleiche Gesamtsumme kann einzelne relevante Unterschiede verdecken; deshalb ersetzt die Summe nicht die Einzelprüfung. Notieren Sie außerdem, ob sich die Plangröße auf Bohrtiefe, Sondenlänge oder etwas anderes bezieht. Gleich klingende Begriffe dürfen nicht ohne Prüfung gleichgesetzt werden.
Mengen, Einheiten und Rundung prüfen
Wenn das Protokoll Mengen ausweist, etwa für Verpressung oder Spülung, werden sie nur mit der dokumentierten Einheit verglichen. Liter, Kubikmeter, Kilogramm und Meter sind nicht austauschbar. Auch eine Menge pro Länge darf nur gebildet werden, wenn Zähler und Nenner eindeutig dokumentiert sind. Beispiel: Eine dokumentierte Menge M geteilt durch die zugehörige dokumentierte Länge L ergibt M pro Längeneinheit. Ohne sichere Zuordnung zu Bohrung, Abschnitt und Einheit bleibt diese Größe offen.
Runden Sie erst am Ende der Rechnung und behalten Sie die Ausgangswerte in der Tabelle. Wird ein Wert im Protokoll bereits gerundet oder mit einer unklaren Genauigkeit angegeben, darf das Ergebnis nicht mehr Genauigkeit vortäuschen. Schreiben Sie etwa „gerundet aus dokumentierten Angaben“ statt viele Nachkommastellen auszugeben. Abweichungen durch unklare Tiefenbezüge, Lücken, geschätzte Mengen oder fehlende Einheiten werden als Unsicherheit beschrieben, nicht durch eine frei erfundene Sicherheitszahl ersetzt.
Ergebnisse richtig verwenden
Eine Rechentabelle kann zeigen, ob Intervalle lückenlos sind, ob ausgewiesene Summen nachvollziehbar bleiben und wo Plan und Dokumentation voneinander abweichen. Sie kann nicht aus Schichtnamen, Tiefen oder Verpressmengen allein eine Entzugsleistung, Jahresarbeit oder sichere Dimensionierung der Wärmepumpe ableiten. Diese Fragen verbinden Fachleute mit Heizlast, Wärmequellenkonzept, Genehmigung, geologischer Bewertung und späteren Betriebsdaten.
Sie können Rechenweg, Einheit, Fundstelle und Rundung sichtbar machen. Fragen Sie bei unplausiblen Summen, fehlenden Einheiten oder einem Widerspruch zwischen Plan und Protokoll nach einer schriftlichen Erläuterung. Änderungen am Solekreis, an der Sonde oder an Anlagenparametern folgen nie aus einer eigenen Tabellenrechnung. Die richtige Leistung der Rechnung besteht darin, Dokumentationsfragen klar zu machen und die fachliche Bewertung mit überprüfbaren Ausgangsdaten zu versorgen.






